Umfrage zur Wahrnehmung der Katastrophe von Fukushima

Sehr geehrte Leserinnen und Leser, ich möchte Ihnen bereits an dieser Stelle für Ihr Engagement danken, das Sie mit dem Aufruf dieser Seite zeigen.

Die folgende Umfrage dient dem Zweck, das Interesse der Umfrageteilnehmer an dem Atomunglück von Fukushima zu ermitteln, zu hinterfragen, ob die Katastrophe in Deutschland noch immer ein Gesprächsgegenstand ist und ob sich die Haltung gegenüber einem Aufenthalt in Japan, anderthalb Jahre nach der Katastrophe, geändert hat. Zu den Befragten zählen größtenteils Studenten der Japanologien in Deutschland. Dennoch sind sämtliche Leser dieses Blogs dazu eingeladen, an der Umfrage teilzunehmen.

Verantwortlich für die Durchführung und Auswertung der Umfrage ist der Inhaber des Blogs „Fukushima 24/7“. Die Umfrage verfolgt, wie der Blog selbst, keinen kommerziellen Zweck. Das Ergebnis der Umfrage wird zeitnah auf diesem Blog veröffentlicht und sieht von der Veröffentlichung von Einzelergebnissen ab, um Ihre Anonymität zu gewähren. Falls Sie sich dennoch bei bestimmten Fragen in ihrer Privatsphäre verletzt fühlen, können Sie diese unbeantwortet lassen.

Die Umfrage beinhaltet 18 Fragen, deren Beantwortung maximal fünf Minuten in Anspruch nimmt. Außer bei den ersten drei Fragen zu Ihrer Person sind die Antwortmöglichkeiten vorgegeben. Bitte wählen Sie die für Sie passenden Antworten aus und streichen Sie die nicht zutreffenden.

Zur Auswertung bitte ich Sie, Ihre Antworten inkl. der zugehörigen Fragen an die Mail-Adresse fukushima247@googlemail.com zu schicken. Bei Rückfragen und Problemen wenden Sie sich bitte an dieselbe Mail-Adresse.

Der Einsendeschluss ist der 30. September 2012.

Das zerstörte Reaktorgebäude 3 des AKWs Fukushima Daiichi. (flickr/IAEA)

  1. Geschlecht
  2. Alter
  3. Nationalität
  4. Wie informieren Sie sich über die aktuelle Lage der Atompolitik Japans? [Mehrfachantworten möglich]
  5. Zeitung, Radio und/oder Fernsehen inkl. Internetauftritt | Blogs | Öffentliche Ämter (Verbraucherzentrale) | NGOs (Greenpeace) | Fachbücher | Freunde und Verwandte | Ich informiere mich nicht.

  6. Die Nuklearkatastrophe von Fukushima ist in meinem Umfeld noch immer ein Gesprächsthema.
  7. Stimme völlig zu | Stimme zu | Weiß nicht | Stimme nicht zu | Stimme gar nicht zu

  8. Trotz des Reaktorunglücks von Fukushima kommt für mich eine Reise nach Japan in Frage.
  9. Stimme völlig zu | Stimme zu | Weiß nicht | Stimme nicht zu | Stimme gar nicht zu

  10. Im Falle eines Aufenthalts in Japan meide ich die Metropole Tokio aufgrund deren Nähe zum Atomkraftwerk Fukushima.
  11. Stimme völlig zu | Stimme zu | Weiß nicht | Stimme nicht zu | Stimme gar nicht zu

  12. Im Falle eines Aufenthalts in Japan warnen mich Freunde und Familie vor den gesundheitlichen Risiken.
  13. Stimme völlig zu | Stimme zu | Weiß nicht | Stimme nicht zu | Stimme gar nicht zu

  14. Im Falle eines Aufenthalts in Japan achte ich beim Einkauf auf die Herkunft der Lebensmittel.
  15. Stimme völlig zu | Stimme zu | Weiß nicht | Stimme nicht zu | Stimme gar nicht zu

  16. Das gesundheitliche Risiko eines Aufenthalts in Japan ist heute genauso niedrig, wie vor dem Unglück von Fukushima.
  17. Stimme völlig zu | Stimme zu | Weiß nicht | Stimme nicht zu | Stimme gar nicht zu

  18. Der Umgang mit Atomkraft durch Vertreter aus Politik und Wirtschaft ist in Deutschland sicherer als in Japan.
  19. Stimme völlig zu | Stimme zu | Weiß nicht | Stimme nicht zu | Stimme gar nicht zu

  20. Die Informationen der Regierung und Medien Japans zur eigenen Atompolitik sind zuverlässig.
  21. Stimme völlig zu | Stimme zu | Weiß nicht | Stimme nicht zu | Stimme gar nicht zu

  22. Die Gefahr einer radioaktiven Kontamination in Japan besteht auch außerhalb der Sperrzone um das Kraftwerksgelände von Fukushima.
  23. Stimme völlig zu | Stimme zu | Weiß nicht | Stimme nicht zu | Stimme gar nicht zu

  24. Ich bin zuversichtlich, dass von dem Kraftwerk Fukushima Daiichi keine Gefahr mehr ausgeht.
  25. Stimme völlig zu | Stimme zu | Weiß nicht | Stimme nicht zu | Stimme gar nicht zu

  26. Ich mache mir Sorgen um die Zukunft Japans aufgrund des Unglücks von Fukushima.
  27. Stimme völlig zu | Stimme zu | Weiß nicht | Stimme nicht zu | Stimme gar nicht zu

  28. Die Katastrophe von Fukushima war verheerender, als der Unfall von Tschernobyl.
  29. Stimme völlig zu | Stimme zu | Weiß nicht | Stimme nicht zu | Stimme gar nicht zu

  30. Aufgrund des Reaktorunglücks von Tschernobyl achte ich beim Kauf von Lebensmitteln in Deutschland auf deren Herkunft.
  31. Stimme völlig zu | Stimme zu | Weiß nicht | Stimme nicht zu | Stimme gar nicht zu

  32. Von Stör- und Unfällen, wie wir sie von Tschernobyl und Fukushima kennengelernt haben, sind deutsche Kernkraftwerke nicht betroffen.
  33. Stimme völlig zu | Stimme zu | Weiß nicht | Stimme nicht zu | Stimme gar nicht zu

      Ich danke Ihnen für Ihre Teilnahme und die Zeit, die Sie für die Beantwortung der Fragen investiert haben. Bei Anregungen und Kommentaren können Sie diese an die genannte Mail-Adresse (fukushima247@googlemail.com) schicken.

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„Die Suche nach der Wahrheit“ – Ein Vortrag zwischen Lüge und Aufklärung

„Die Geschichte der Lügen um die Kernkraft ist so alt, wie die Kernkraft selbst“, startete Dr. Sebastian Pflugbeil seinen Vortrag und lud am 23. Mai mit dem Thema „Tschernobyl, Fukushima und Atomkraft in Deutschland – Die Suche nach der Wahrheit“ in den Vortragssaal der Hauptbibliothek Leipzigs. Der Zusatz dieses Titels kam nicht von ungefähr, denn was sich dem aufmerksamen Publikum bot, war eine Aneinanderreihung von Lügen aus offizieller Seite, die emsig über die Jahre hinweg von Herrn Pflugbeil zusammengetragen wurden. Es eröffnete sich eine zweite Perspektive auf die Welt, wie wir sie kennen oder gekannt geglaubt haben.

Physiker, Umweltschützer, Bürgerrechtler und Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz e.V. Sebastian Pflugbeil. (IPPNW)

Mit einem gewissen Unbehagen lauschte man der ruhigen, aber umso kräftigeren Stimme eines Mannes, der den sarkastischen Titel „einziger Oppositionelle in der DDR“ trägt. Denn wird über Atomkraft debattiert, waren die Lügen schon seit den 1960ern nicht fern. Es entsteht ein politisches Spannungsfeld, dessen Pol zur offenen Befürwortung der Atomkraft überwiegend dominiert. Wer Kernenergie kritisiert, macht sich zum Feind der Politiker und Ökonomen, heute nicht weniger als noch vor wenigen Jahrzehnten. Herr Pflugbeil als gestandener Physiker und Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz e.V. wählte den Weg der Aufklärung, setzte sich früh mit Kernenergiepolitik auseinander und war einer der Ersten, die sich offen mit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 beschäftigen. So ist er bis heute einer der Wenigen die das Innere der Betonschutzhülle des Unglücksreaktors betraten.

Mit ernster Miene verriet er seine Trauer über das eigentliche Verbrechen der Kernkraft-Lobbyisten. Nicht nur das Spiel mit einer riskanten Hochtechnologie, sondern der Schaden an Natur und Lebewesen macht ihm zu schaffen. Kurz flackerte das Bild eines Kindes zu Anfang seiner Präsentation auf. Eine trauernde Mimik, ein geschorener Kopf und die Angst vor dem Ungewissen. Pflugbeil hielt inne, schaltete um und erklärte, die Begegnung mit an Leukämie (Blutkrebs) erkrankten Kindern sei Grund genug, seine Recherche und Aufklärungsarbeiten fortzusetzen.

Die Behandlung eines an Leukämie erkrankten Patienten in der Universitätsklinik Leipzig am 10. März 1989. (Copyright © Deutsches Bundesarchiv, Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Auf der anderen Seite vertrauenerweckend formulierte Organisationen mit falscher Führung und profitgierigem Credo, ohne Rückgrat, ohne Skrupel. Die International Atomic Energy Agency (IAEO), das United Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation (UNSCEAR), die World Association of Nuclear Operators (WANO) und selbst The International Project on the Health Effects of the Chernobyl Accident. Eine Liste ohne Ende, doch in ihrer Argumentation sind sie sich einig. Die Rede ist von Beschönigung, Verharmlosung und dreisten Lügen. Schon Eisenhower als ehemaliger Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika (1953–1961) wusste mit Atomkraft umzugehen und unterrichtete die zuständigen politischen Organe mit den Worten: „Haltet sie [das Volk] im Unklaren über Kernspaltung und Kernfusion.“

Der Lügenkanon nimmt kein Ende und sammelt sich nach Pflugbeils Worten zu einem Gemisch oberster Perversität. Zu seinen Favoriten zählen zwei Zitate von japanischer Seite, vor und nach dem Unglück von Fukushima: „Strahlenschäden kommen nicht zu Menschen, die glücklich sind und lächeln. Sie kommen zu Leuten, die verzagt sind.“ Das Volk leidet an Strahlenphobie, denn von offizieller Seite gibt es kaum bis keine eindeutigen Beweise für tödliche Erkrankungen im Zuge von Reaktorunglücken und atomaren Experimenten. „Der Unfall von Fukushima ist ein Beweis dafür, wie sicher Atomkraftwerke sind.“ Der Gipfel der Verharmlosung.

Der Tschernobyl Reaktor Nummer 4, aufgenommen am 18. September 2006. (Copyright © Carl Montgomery, Lizenz: CC BY 2.0)

Beweise gibt es viele, doch werden diese emsig unter Verschluss gehalten. Pflugbeil präsentierte Statistiken über Statistiken zur Häufigkeit der Strahlenschäden, sortierte sie nach Alter und Generation und verdeutlichte die Kontamination der betroffenen Gebiete. Laut offiziellen Angaben sei die Region um Tschernobyl in wenigen Jahrzehnten wieder begehbar. Dass es sich um Jahrtausende handelt, darüber lässt man die Öffentlichkeit im Unklaren. Seit dem Reaktorunfall erreichte die Erkrankung an Strahlenschäden beunruhigende Werte, nicht nur im Kreise der Ukraine, sondern auch in Deutschland. Ein doppeltes Spiel für wissenschaftliche Forschungen: Wer sich an die Öffentlichkeit wendet, riskiert die eigene Karriere. Auch Universitäten müssen sich den Interessen von Politik und Wirtschaft beugen, wenn es um Anträge auf Drittmittel zur Finanzierung von Forschung und Lehre geht. Abhängig von finanziellen Mitteln fügten sich in der Vergangenheit selbst renommierte Wissenschaftler den Richtlinien der Industrie.

Für Sebastian Pflugbeil sprechen die Statistiken: Die abnehmende Tendenz der gesunden Bevölkerung um Tschernobyl, die Häufigkeit von Mutationen, die Verbreitung psychologischer Störungen im Kindesalter und abnormale Zahlen von Totgeburten und Abtreibungen mit hoher Dunkelziffer – europaweit. Selbst provisorische Endlagerstätten wie Gorleben werden in der Recherche untersucht und weisen ähnliche Anomalien auf. So verkündet Pflugbeil die erschütternde These, bereits im Umkreis von Kernkraftwerken im Normalbetrieb liefern die Daten erhöhte Zahlen zu Erkrankungen in Folge von Strahlenschäden.

Seit 2011 weist Japan ein ähnliches Bild auf, auch wenn die Größe der kontaminierten Fläche weitaus kleiner ausfällt, als Tschernobyl. International auf sich aufmerksam macht jedoch nicht die Kontamination, sondern die über 1000 gelagerten Brennstäbe des Reaktorblocks vier. Ein erneutes Erdbeben, ein weiterer Tsunami könnte die Trümmerfestung samt Kühlbecken zum Absturz bringen. Schon jetzt zieren Risse die einst massive Konstruktion des Beckens. Im schlimmsten Falle erlebt Japan ein weiteres Unglück, dass dem von 2011 in nichts nachsteht. Mit der Zerstörung der Brennstäbe wird eine Menge an radioaktiven Partikeln frei, die Teile Tokios zur Evakuierung zwingen würden. Ein unmögliches Unterfangen. Deutschland hat keine bessere Ausgangslage vorzuweisen. Wie aus einem Gutachten der Strahlenschutzkommission hervorgeht, sei die Bundesrepublik im Falle einer Nuklearkatastrophe in keinem Maße vorbereitet. Doch mindestens mit der Verantwortung sollte es in Deutschland ja wesentlich günstiger laufen, als bei unseren japanischen Freunden⸮

Eine Übersicht der aktiven und stillgelegten Kernkraftwerke in Deutschland – Stand 2011. (Copyright © Lencer, Lizenz: CC BY-SA 2.5)

Sebastian Pflugbeil nutzt zum Abschluss seines Vortrags ein Zitat aus Bertolt Brechts „Leben des Galilei“, das auch wir hierfür nutzen möchten. Brecht befand sich während seiner Arbeit an dem Theaterstück im dänischen Exil, während in Deutschland Forschungen in der Kernphysik ihren Höhepunkt fanden. Mit einer ins Englische übersetzten Version nach den Atombombenabwürfen auf Japan änderte Brecht die Kernaussage vom „Umgang mit Macht“, in die „Verantwortung der Wissenschaft“. So äußerte sich Galileo Galilei in Brechts Werk mit folgenden Worten: „Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher!“ Ein denkwürdiger Kommentar.

Quellen und weiterer Lesestoff:

 

Das Tôhoku-Erdbeben 2011 und die Intention von „Fukushima 24/7“

Es war der 11. März 2011, als vor der Präfektur Miyagi der japanischen Region Tôhoku um 14.46 Uhr Ortszeit ein Beben im Pazifischen Ozean gemessen wurde, das nachträglich als „Tôhoku-Erdbeben 2011“ bzw. „Große Erdbebenkatastrophe Ost-Japans“ in die Geschichte einging. Nach Informationen der Japan Meteorological Agency (JMA) lag das Hypozentrum in annähernd 24 km Tiefe und hatte eine Stärke von 9,0 auf der Momenten-Magnituden-Skala. Eine Intensität, die das größte, jemals in Japan gemessene Beben erzeugte. Das Epizentrum des Bebens wurde etwa 370 km nordöstlich von Japans Metropole Tokio gemessen und konnte aufgrund seiner Stärke problemlos auf der gesamten japanischen Inselkette nachgewiesen werden.

Beben-Verteilung vom 11. bis 14. März 2011 vor der Küste Japans. (Hellgrün: 11.3.2011, Gelb: 12.3.2011, Orange: 13.3.2011, Rot: 14.3.2011)

Die gewaltige Intensität der Erschütterung war zugleich der Auslöser für zwei weitere Katastrophen, weshalb das Beben nur kurze Zeit später als sogenannte „Dreifachkatastrophe“ weltweit in den Medien zirkulierte. Der mehr als 10 Meter hohe Tsunami war einer der beiden Katastrophen, die aus dem Seebeben resultierten, und richtete starke Verwüstungen an der Küste Miyagis an. Besonders betroffen und von internationalen Medien durch Bild- und Videodokumentationen oftmals aufgegriffen war die japanische Großstadt Sendai, die sich 130 km westlich des Epizentrums befand.

Erdbeben, ob auf dem Festland oder als Seebeben, sind in Japan keine Seltenheit, sodass es nicht wundert, dass trotz einer solch hohen Zerstörungskraft das größte Schadenspotential abgewendet werden konnte; trotz einer für die Anwohner schwer zu verarbeitenden Anzahl von mehr als 15.700 Todesopfern. Als Vergleich dient das vielen Betroffenen im Kopf noch immer präsente Erdbeben von Haiti am 12. Januar 2010 mit einer überdurchschnittlich hohen Anzahl an Todesopfern von über 316.000 bei einem Wert von 7,0 auf der Momenten-Magnituden-Skala. Japan ist sich aufgrund seiner markanten Lage zwischen vier tektonischen Platten stets über die Gefahr von Erdbeben bewusst und tut die fast täglichen Erschütterungen nahezu als Alltagsphänomen ab. Ein ausgereiftes Frühwarnsystem und eine Vielzahl von vorbeugenden Maßnahmen verhelfen dem Großteil der Bevölkerung, sich auch vor großen Beben zu schützen. Mit 685 Toten und 180 Vermissten traf es die Großstadt Sendai durch den Tsunami womöglich am verheerendsten, doch konnte das Schlimmste bei einer Einwohnerzahl von mehr als eine Million Menschen und der Ankunft der Wassermassen innerhalb weniger Minuten verhindert werden.

Die Großstadt Sendai nach dem Tsunami.

Nach diesen Daten wäre das Tôhoku-Beben zwar als größtes je in Japan gemessenes Erdbeben eingegangen, hätte jedoch binnen Kürze das geballte Medieninteresse verloren, wie es sich noch viele Wochen nach der Katastrophe generierte. Seinen Fortbestand fand es mit der dritten Katastrophe, die den Menschen heute durch das Stichwort „Fukushima“ jene dramatischen Tage in Erinnerung rufen, die unmittelbar mit den schweren Störfällen der Kernkraftwerke von Fukushima Daiichi zusammenhängen.

Der Schock saß weltweit tief, als sich die unvermeidbare Katastrophe mindestens einer Kernschmelze herauskristallisierte; und das in einem Land, das als Industrienation von moderner Technologie geprägt ist und längst seine Mitgliedschaft unter den G8 stolz vertreten kann. Bereits die atomare Katastrophe von Tschernobyl 1987 erzeugte ein ähnliches Medieninteresse, konnte auf den Schultern nachlässiger Bedienung und gefahrenträchtiger Bauweise des Atommeilers jedoch schnell auf die Rückständigkeit seines Standorts abgewälzt werden. Nun traf es im frühen 21. Jahrhundert eine hoch entwickelte Industrienation, die sich trotz der Kombination aus Atomkraft und dem Turnus von Erdbeben sicher glaubte.

Was ist passiert? Was waren die Gründe? Hätte man dieses Szenario vorhersehen können? Wer trägt die Schuld? Was geschieht jetzt? Die Fragen nach den Ursachen und den Folgen dieser Katastrophen nehmen auch heute kein Ende. Zurückzuführen lässt sich dies mitunter auf die Verschwiegenheit des „Eisernen Dreiecks“: Der Kooperation von Betreiber TEPCO, Atom-Aufsichtsbehörden und der japanischen Regierung. Doch was passiert ist, lässt sich nur schwer rückgängig machen. Es heißt, die Katastrophe aufzuarbeiten, zu verarbeiten und Antworten zu finden, die nicht nur die Vergangenheit unter die Lupe nehmen, sondern auch die Gegenwart nach passablen Lösungen abtasten. Es heißt, das wohl vertraute und fabelhaft einstudierte Totschweigen zu brechen und die Aufmerksamkeit unserer Mitmenschen zu erlangen.

Ein verzerrtes Satellitenbild der Unglücksstelle Fukushima Daiichi. Zu sehen sind die Reaktorblöcke 3 und 4. (Copyright © Digital Globe, Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Das Team hinter „Fukushima 24/7“ ist keine Hinterlassenschaft diverser Anti-Atomkraftbewegungen, sofern unserer Leser diese Vermutung bereits hegten. Das Ziel ist vielmehr, das Problem des Totschweigens und „Herunterspielens“ gezielt anzugehen und für Aufklärung zu sorgen, welche Spätfolgen die Atomkatastrophe für die Tôhoku-Region und die japanische Bevölkerung hat. Hierbei konzentrieren wir uns sowohl auf eine gezielte Aufarbeitung, klären Fragen nach den Ursachen der Katastrophe und versorgen Sie mit aktuellen Informationen. Dieser Blog erhält keine fest geplante, regelmäßige Aktualisierung, sondern wird nach Ereignislage und dem Stand unserer Recherche versorgt. Nichtsdestotrotz sind wir bemüht, wöchentlich das Mindestmaß von einem Artikel zu erfüllen, um Ihre Aufmerksamkeit für dieses Projekt auf einem stabilen Niveau zu halten.