Auswertung der Umfrage und abschließende Worte

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

nach der unangekündigten Pause möchte ich mich zu allererst bei denjenigen entschuldigen, die diesen Blog regelmäßig als Informationsquelle nutzten, nun jedoch seit mehreren Monaten auf einen weiteren Artikel warten. Seit der Aufforderung zur Umfrage über die Wahrnehmung der Katastrophe von Fukushima hat sich die Motivation gelegt, diesen Blog regelmäßig mit Artikeln zu versorgen. Gründe für die Pausierung gab es viele, unter anderem die niedrige Teilnehmerzahl bei der Umfrage und das geringe Interesse an diesem Blog im Allgemeinen. Die Bemühung um die Aufrechterhaltung des Blogs stehen daher in keinem Verhältnis zur Rezeption.

Ein Sattelitenbild des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi nach dem Großbeben im März 2011. (Getty Images)

Ein Sattelitenbild des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi nach dem Großbeben im März 2011. (Getty Images)

Das Ziel dieses Blogs war es, die Ereignisse in und um Fukushima aufzuarbeiten, zusammenzufassen und zu präsentieren. Interesse für diesen Blog und seinen Inhalt in der Öffentlichkeit zu schaffen, konnte nur teilweise gelingen. Dennoch bedanke ich mich bei allen Lesern, jeden einzelnen Kommentar, jede Meinung und jeden Verbesserungsvorschlag. Zwar wird der Blog vorerst nicht weiter aktualisiert, doch stehen Ihnen die gesamten Artikel nach wie vor zur Verfügung.

Die Ergebnisse der Umfrage können Sie im Folgenden betrachten. Außerdem möchte ich Ihnen weitere Seiten empfehlen, die mir während meiner Recherche als wertvolle Quellen gedient haben. Manche dieser Seiten versorgen Sie nahezu täglich mit Informationen über die Folgen von Fukushima und die aktuellen Debatten um Japans Atompolitik. Sämtliche Quellen finden Sie unter der Rubrik „Informationsmöglichkeiten“ dieses Blogs.

Zum anderen möchte ich auf das Film-Projekt des Schweizers Thomas Köhler aufmerksam machen. Als Japan-Spezialist und Reisefachmann verlor er seine Kundschaft und schließlich seinen Job. Anstatt aufzugeben reiste er nach Japan, begab sich zu Fuß von Hokkaido über die Hauptinseln bis zum Süden Japans und lief insgesamt 2900 Kilometer. Daraus hervorgegangen ist der Film „Negativ: nichts“. Thomas Köhler wollte mit seiner Reise die Menschen überzeugen, dass Japan seit dem 11. März 2011 nicht nur Fukushima kennt. Gleichzeitig spendete er den Menschen neue Kraft und Mut. Seine Premiere feierte der Film bereits im September 2012 in Zürich und Tokio. Eine weitere Vorstellung ist für den 7. Januar in Zürich geplant.

Seit Anfang August, dem Beginn der Umfrage, hat sich in Japan vieles getan. Die Protestbewegungen finden nach wie vor jeden Freitag in Tokio statt, doch auch in anderen Gebieten Japans haben sich Protestler zusammengefunden. Sie protestieren nach wie vor für ein atomfreies Japan. Als die Energiebetreiber Mitte des Jahres sämtliche Atomreaktoren aufgrund von Wartungsarbeiten herunterfuhren und sich sowohl Politiker als auch Privatpersonen gegen die Wiederinbetriebnahme aussprachen, standen die Chancen nicht schlecht. Japan hatte die Grundlage für eine Zukunft ohne Atomstrom.

Diese Chance blieb ungenutzt. Mit der letzten Unterhauswahl und dem neuen Premierminister Abe Shinzô wird sich Japan von seiner konservativen Natur nicht lösen können. Statt der Demokratischen Partei Japans (DPJ) gewann die Liberal-Demokratische Partei (LDP) mit einer Zweidrittelmehrheit. Es ist jene Partei, die seit der Nachkriegszeit fast ununterbrochen die Zukunft Japans dirigierte. Ein Japan, das sein Heil im wirtschaftlichen Erfolg auf der Basis von Atomenergie suchte. Die LDP beförderte ihr Land zu einem der weltweit größten Nutznießer der Atomkraft. Da die LDP als Befürworter der Atomkraft gilt, ist die Hoffnung der AKW-Gegner auf ein atomfreies Japan vorerst nicht tragbar. Zwar war die Zahl derjenigen, die offen gegen Atomkraft protestierten, nicht zu unterschätzen, doch konnten sich die Parteien mit ihrem Parteiprogramm für ein zukünftiges Japan ohne Atomstrom bei der Unterhauswahl nicht durchsetzen.

Shinzo Abe

Der aktuelle Premierminister Japans: Shinzô Abe (Hajime Takashi/ZUMA Press/Newscom).

Trotz massiver Protestbewegungen ist die politische Mehrheit noch immer für die Erhaltung der Atomkraft im eigenen Land. Die Wiederinbetriebnahme und der Neubau weiterer Kraftwerke ist wahrscheinlicher geworden. Japan steht wieder am Anfang, vor der Katastrophe von Fukushima. Das Unglück jährt sich in wenigen Monaten zum zweiten Mal. Für viele Japaner ist das Unglück von 2011 längst vergessen. Für die AKW-Gegner wird es umso härter, weitere Mitglieder zu gewinnen, die die Demonstrationen am Leben halten. Womöglich härter, als wenige Wochen nach dem 11. März 2011, als sich die Japaner nach und nach als Kollektiv am öffentlichen Protest versuchten.

 

Auswertung der Umfrage

Aufgrund der geringen Teilnehmerzahl lässt sich das Ergebnis der Umfrage nur schwer interpretieren. Die Antworten sind nicht repräsentativ. Eine Betrachtung der Ergebnisse empfehle ich Ihnen dennoch. Die Umfrage wurde überwiegend deutschen Japanologen präsentiert und ist einer der möglichen Gründe für den hohen Anteil an Teilnehmerinnen. Eine Interpretation nach Nationalität ist nicht möglich, da zu wenige Menschen verschiedener Nationalitäten teilgenommen haben.

  • Teilnehmeranzahl: 36
  • davon Frauen: 72 Prozent
  • davon Teilnehmer mit deutscher Nationalität: 89 Prozent
  • Durchschnittsalter: 30 Jahre
  1. Wie informieren Sie sich über die aktuelle Lage der Atompolitik Japans? [Mehrfachantworten waren möglich]
  2. Medien (Presse): 92 Prozent
    Freunde/ Verwandte: 56 Prozent
    Blogs: 44 Prozent
    Fachbücher: 25 Prozent
    Öffentliche Ämter: 17 Prozent
    NGOs: 14 Prozent

    Alle Teilnehmer mussten bei den folgenden Fragen zwischen fünf Antwortmöglichkeiten wählen. Für die Auswertung wurde jeder Antwort ein Zahlenwert zugeordnet, um den Mittelwert zu bilden. Die entsprechende Antwort des Mittelwerts steht neben dem Zahlenwert.

    1 Stimme gar nicht zu | 2 Stimme nicht zu | 3 Weiß nicht | 4 Stimme zu | 5 Stimme völlig zu
    ___________________________________________________________________________

  3. Die Nuklearkatastrophe von Fukushima ist in meinem Umfeld noch immer ein Gesprächsthema.
  4. 3,9 – Stimme zu

  5. Trotz des Reaktorunglücks von Fukushima kommt für mich eine Reise nach Japan in Frage.
  6. 4,3 – Stimme zu

  7. Im Falle eines Aufenthalts in Japan meide ich die Metropole Tokio aufgrund deren Nähe zum Atomkraftwerk Fukushima.
  8. 1,9 – Stimme nicht zu

  9. Im Falle eines Aufenthalts in Japan warnen mich Freunde und Familie vor den gesundheitlichen Risiken.
  10. 3,6 – Stimme zu

  11. Im Falle eines Aufenthalts in Japan achte ich beim Einkauf auf die Herkunft der Lebensmittel.
  12. 3,9 – Stimme zu

  13. Das gesundheitliche Risiko eines Aufenthalts in Japan ist heute genauso niedrig, wie vor dem Unglück von Fukushima.
  14. 2,2 – Stimme nicht zu

  15. Der Umgang mit Atomkraft durch Vertreter aus Politik und Wirtschaft ist in Deutschland sicherer als in Japan.
  16. 2,7 – Weiß nicht

  17. Die Informationen der Regierung und Medien Japans zur eigenen Atompolitik sind zuverlässig.
  18. 1,9 – Stimme nicht zu

  19. Die Gefahr einer radioaktiven Kontamination in Japan besteht auch außerhalb der Sperrzone um das Kraftwerksgelände von Fukushima.
  20. 4,4 – Stimme zu

  21. Ich bin zuversichtlich, dass von dem Kraftwerk Fukushima Daiichi keine Gefahr mehr ausgeht.
  22. 1,6 – Stimme nicht zu

  23. Ich mache mir Sorgen um die Zukunft Japans aufgrund des Unglücks von Fukushima.
  24. 3,8 – Stimme zu

  25. Die Katastrophe von Fukushima war verheerender, als der Unfall von Tschernobyl.
  26. 2,8 – Weiß nicht

  27. Aufgrund des Reaktorunglücks von Tschernobyl achte ich beim Kauf von Lebensmitteln in Deutschland auf deren Herkunft.
  28. 2,2 – Stimme nicht zu

  29. Von Stör- und Unfällen, wie wir sie von Tschernobyl und Fukushima kennengelernt haben, sind deutsche Kernkraftwerke nicht betroffen.
  30. 2,0 – Stimme nicht zu

Auffällig ist die mehrheitliche Zustimmung für eine Reise nach Japan trotz des Bewusstseins, dass die Kontamination über das Kraftwerksgelände von Fukushima hinausgeht. Für die große Mehrheit ist der Aufenthalt in Tokio trotz der Nähe zu Fukushima selbstverständlich. Weiterhin ist der Großteil überzeugt, dass weder die japanische Regierung noch die Medien zuverlässige Informationen liefern. Wohl gerade aus diesem Grund würden im Falle eines Aufenthalts in Japan die meisten Teilnehmer auf die Herkunft der angebotenen Lebensmittel achten. Die weitere Interpretation überlasse ich dem jeweiligen Betrachter.

Umfrage zur Wahrnehmung der Katastrophe von Fukushima

Sehr geehrte Leserinnen und Leser, ich möchte Ihnen bereits an dieser Stelle für Ihr Engagement danken, das Sie mit dem Aufruf dieser Seite zeigen.

Die folgende Umfrage dient dem Zweck, das Interesse der Umfrageteilnehmer an dem Atomunglück von Fukushima zu ermitteln, zu hinterfragen, ob die Katastrophe in Deutschland noch immer ein Gesprächsgegenstand ist und ob sich die Haltung gegenüber einem Aufenthalt in Japan, anderthalb Jahre nach der Katastrophe, geändert hat. Zu den Befragten zählen größtenteils Studenten der Japanologien in Deutschland. Dennoch sind sämtliche Leser dieses Blogs dazu eingeladen, an der Umfrage teilzunehmen.

Verantwortlich für die Durchführung und Auswertung der Umfrage ist der Inhaber des Blogs „Fukushima 24/7“. Die Umfrage verfolgt, wie der Blog selbst, keinen kommerziellen Zweck. Das Ergebnis der Umfrage wird zeitnah auf diesem Blog veröffentlicht und sieht von der Veröffentlichung von Einzelergebnissen ab, um Ihre Anonymität zu gewähren. Falls Sie sich dennoch bei bestimmten Fragen in ihrer Privatsphäre verletzt fühlen, können Sie diese unbeantwortet lassen.

Die Umfrage beinhaltet 18 Fragen, deren Beantwortung maximal fünf Minuten in Anspruch nimmt. Außer bei den ersten drei Fragen zu Ihrer Person sind die Antwortmöglichkeiten vorgegeben. Bitte wählen Sie die für Sie passenden Antworten aus und streichen Sie die nicht zutreffenden.

Zur Auswertung bitte ich Sie, Ihre Antworten inkl. der zugehörigen Fragen an die Mail-Adresse fukushima247@googlemail.com zu schicken. Bei Rückfragen und Problemen wenden Sie sich bitte an dieselbe Mail-Adresse.

Der Einsendeschluss ist der 30. September 2012.

Das zerstörte Reaktorgebäude 3 des AKWs Fukushima Daiichi. (flickr/IAEA)

  1. Geschlecht
  2. Alter
  3. Nationalität
  4. Wie informieren Sie sich über die aktuelle Lage der Atompolitik Japans? [Mehrfachantworten möglich]
  5. Zeitung, Radio und/oder Fernsehen inkl. Internetauftritt | Blogs | Öffentliche Ämter (Verbraucherzentrale) | NGOs (Greenpeace) | Fachbücher | Freunde und Verwandte | Ich informiere mich nicht.

  6. Die Nuklearkatastrophe von Fukushima ist in meinem Umfeld noch immer ein Gesprächsthema.
  7. Stimme völlig zu | Stimme zu | Weiß nicht | Stimme nicht zu | Stimme gar nicht zu

  8. Trotz des Reaktorunglücks von Fukushima kommt für mich eine Reise nach Japan in Frage.
  9. Stimme völlig zu | Stimme zu | Weiß nicht | Stimme nicht zu | Stimme gar nicht zu

  10. Im Falle eines Aufenthalts in Japan meide ich die Metropole Tokio aufgrund deren Nähe zum Atomkraftwerk Fukushima.
  11. Stimme völlig zu | Stimme zu | Weiß nicht | Stimme nicht zu | Stimme gar nicht zu

  12. Im Falle eines Aufenthalts in Japan warnen mich Freunde und Familie vor den gesundheitlichen Risiken.
  13. Stimme völlig zu | Stimme zu | Weiß nicht | Stimme nicht zu | Stimme gar nicht zu

  14. Im Falle eines Aufenthalts in Japan achte ich beim Einkauf auf die Herkunft der Lebensmittel.
  15. Stimme völlig zu | Stimme zu | Weiß nicht | Stimme nicht zu | Stimme gar nicht zu

  16. Das gesundheitliche Risiko eines Aufenthalts in Japan ist heute genauso niedrig, wie vor dem Unglück von Fukushima.
  17. Stimme völlig zu | Stimme zu | Weiß nicht | Stimme nicht zu | Stimme gar nicht zu

  18. Der Umgang mit Atomkraft durch Vertreter aus Politik und Wirtschaft ist in Deutschland sicherer als in Japan.
  19. Stimme völlig zu | Stimme zu | Weiß nicht | Stimme nicht zu | Stimme gar nicht zu

  20. Die Informationen der Regierung und Medien Japans zur eigenen Atompolitik sind zuverlässig.
  21. Stimme völlig zu | Stimme zu | Weiß nicht | Stimme nicht zu | Stimme gar nicht zu

  22. Die Gefahr einer radioaktiven Kontamination in Japan besteht auch außerhalb der Sperrzone um das Kraftwerksgelände von Fukushima.
  23. Stimme völlig zu | Stimme zu | Weiß nicht | Stimme nicht zu | Stimme gar nicht zu

  24. Ich bin zuversichtlich, dass von dem Kraftwerk Fukushima Daiichi keine Gefahr mehr ausgeht.
  25. Stimme völlig zu | Stimme zu | Weiß nicht | Stimme nicht zu | Stimme gar nicht zu

  26. Ich mache mir Sorgen um die Zukunft Japans aufgrund des Unglücks von Fukushima.
  27. Stimme völlig zu | Stimme zu | Weiß nicht | Stimme nicht zu | Stimme gar nicht zu

  28. Die Katastrophe von Fukushima war verheerender, als der Unfall von Tschernobyl.
  29. Stimme völlig zu | Stimme zu | Weiß nicht | Stimme nicht zu | Stimme gar nicht zu

  30. Aufgrund des Reaktorunglücks von Tschernobyl achte ich beim Kauf von Lebensmitteln in Deutschland auf deren Herkunft.
  31. Stimme völlig zu | Stimme zu | Weiß nicht | Stimme nicht zu | Stimme gar nicht zu

  32. Von Stör- und Unfällen, wie wir sie von Tschernobyl und Fukushima kennengelernt haben, sind deutsche Kernkraftwerke nicht betroffen.
  33. Stimme völlig zu | Stimme zu | Weiß nicht | Stimme nicht zu | Stimme gar nicht zu

      Ich danke Ihnen für Ihre Teilnahme und die Zeit, die Sie für die Beantwortung der Fragen investiert haben. Bei Anregungen und Kommentaren können Sie diese an die genannte Mail-Adresse (fukushima247@googlemail.com) schicken.

Wichtige Begriffe – Die Zusammenfassung als Grundverständnis

Nach nunmehr 17 Artikeln zur Atompolitik Japans und den Folgen der Dreifachkatastrophe möchten wir mit diesem Artikel eine Basis schaffen, die es unseren Lesern ermöglicht, leichteren Zugang zu vergangenen und künftigen Artikeln auf Fukushima 24/7 zu erhalten. Als überschaubare Zusammenfassung gedacht, thematisiert der Artikel Akteure, Organisationen, Regionen und andere Begriffe, die dem Grundverständnis für diese Thematik dienen. Die Zusammenfassung ist ab sofort innerhalb des oberen Reiters „Wichtige Begriffe“ zu finden und wird von Zeit zu Zeit mit weiteren Begriffen aktualisiert.

Akteure

  • Naoto Kan – Vom vierten Juni 2010 bis zum zweiten November 2011 begleitete er das Amt des Premierministers und war Mitbegründer der Demokratischen Partei (DPJ) von Japan. Während der Katastrophe richtete er einen Krisenstab ein, dessen Führung und Organisation er übernahm. Vor seinem Rücktritt widmete er sich dem Krisenmanagement, Wiederaufbaumaßnahmen und verabschiedete ein Gesetz für erneuerbare Energien.
  • Yoshihiko Noda – Seit dem 2. September übernahm er das Amt des Premierministers und stellte sich damit der Aufgabe des Wiederaufbaus Japans. Einer ähnlichen Intention Naoto Kans folgend, begrüßt auch er den Ausbau erneuerbarer Energien, auch wenn seine Stimme nicht ausreicht, Japan zum Austritt aus der Atompolitik zu bewegen. Seit 1998 identifiziert er sich mit der Demokratischen Partei (DPJ).
  • Masataka Shimizu – Als Präsident TEPCOs wurde ihm die größte Verantwortung zur momentanen Situation Japans aufgeladen. Durch mangelnde Transparenz, drastische Sparmaßnahmen und der Vernachlässigung von Sicherheitsvorkehrungen der Kernkraftwerke TEPCOs schrieben ihn Medien und Gesellschaft die Schuld an der Atomkatastrophe zu. Sein einmonatiges Verschwinden aus der Öffentlichkeit nach dem 11. März sorgte für große Entrüstung bei dem japanischen Volk. Am 20. Mai 2011 trat er von seinem Amt als Präsident des Unternehmens zurück. –> Weitere Informationen

Naoto Kan als Premierminister Japans während des G20-Gipfels von 2010.

Organisationen und Unternehmen

  • TEPCO – Die Tokyo Electric Power Company (TEPCO) ist ein Energiekonzern Japans, zu dessen Einzugsbereich der Großraum Tokio zählt. Im Jahr 1951 entsprang das Unternehmen aus der Privatisierung zuvor verstaatlichter Betriebe. Weltweit zählte TEPCO zu den wirtschaftlich stärksten Unternehmen und befasst sich neben Kernreaktoren auch mit anderen Energieformen wie Wasser- und Windkraft oder Verbrennungskraftwerken. Zu dem Unternehmen gehören die Kraftwerke Fukushima I und Fukushima II, sowie das leistungsstärkste Kernkraftwerk der Welt: Kashiwazaki-Kariwa. Bereits im 20. Jahrhundert mehrten sich kritische Vorfälle, die aufgrund mangelnder Transparenz des Energiekonzerns nicht an die Öffentlichkeit drangen. Erst innerhalb der letzten Jahre und Jahrzehnte wurden vermehrt Dokumente aufgedeckt, die von einer korrupten und risikofreudigen Arbeitsweise des Unternehmens zeugen. Weitere Informationen.
  • IAEO – Die Internationale Atomenergie-Organisation ist eine autonome Organisation und kooperiert mit den Vereinten Nationen (UN). Sie liefert dem Sicherheitsrat und der Generalversammlung der UN Informationen, sofern internationale Gesetze zur atomaren Sicherheit gefährdet sind. Laut eigenem Verständnis sieht die IAEO ihre Aufgabe darin, den Beitrag der Kernenergie zu Frieden, Gesundheit und Wohlstand weltweit zu beschleunigen und zu vergrößern. Die Organisation versucht zwar die militärische Nutzung von atomaren Technologien zu unterbinden, versucht allerdings die Anwendung radioaktiver Stoffe zu verbreiten. Während der Atomkatastrophe in Fukushima stellte sie ein Expertenteam zusammen, um den Schaden der Kontamination einzuschätzen. Durch undurchsichtige Messwerte und beschönigende Analysen zu den gesundheitlichen Risiken der Katastrophe, wurde die IAEO stark kritisiert.
  • NISA – Die Aufgabe der Japanischen Atomaufsichtsbehörde ist es, als Behörde die Sicherheit der japanischen Bevölkerung vor atomaren Risiken zu gewährleisten. Eng mit dem bürokratischen Geflecht Japans verbunden und unterstützt von der Japanischen Nuklearenergiesicherheits-Organisation (JNES), stößt auch die NISA auf Kritik hinsichtlich beschönigender Analysen zu atomaren Risiken.

Das Atomkraftwerk Fukushima I. Im Vordergrund der Reaktorblock 1. (Copyright © Kawamoto Takuo, Lizenz: CC BY 2.0)

Städte und Regionen

  • Fukushima – Fukushima ist der Name einer Präfektur in Japan, die sich auf der Hauptinsel Honshû im Süden der Region Tôhoku befindet. Die Präfektur hatte Anfang 2012 etwa zwei Millionen Einwohner und wurde aus verwaltungstechnischen Gründen in die drei Regionen Hamadôri, Nakadôri und Aizu eingeteilt. Alle drei Regionen sind von verschiedenen klimatischen Bedingungen und Geographien geprägt. Während Aizu als abgelegenes Hochgebirge gilt und Hamadôri als Flachland mit Meeresklima beschrieben wird, ist Nakadôri das kultruelle Zentrum, das mitunter die Hauptstadt Fukushima der gleichnamigen Präfektur beherbergt. Am Pazifik liegen die Kernkraftwerke Fukushima I und Fukushima II.
  • Ôkuma, Futaba, Namie – Die drei Städte umfassen insgesamt eine Einwohnerzahl von schätzungsweise 50.000 Menschen, auch wenn sich nach offiziellen Angaben kein Japaner in den Kleinstädten aufhält. Es handelt sich um Geisterstädte, die nordwestlich von Fukushima I liegen und aufgrund der Windverhältnisse während der Katastrophe am stärksten von den radioaktiven Partikeln kontaminiert wurden. Im April 2012 erklärte die japanische Regierung die Kleinstädte zur Sperrzone, die innerhalb der nächsten 20 Jahre nicht mehr betreten werden kann. Futaba und Namie weisen Strahlenwerte von über 50 Millisievert pro Jahr auf. Eine Belastung, die die Regionen vorerst unbewohnbar machen, denn selbst nach 20 Jahren werden alle drei Städte den gesetzlichen Rahmen von 20 Millisievert überschreiten.
  • Sendai – In der japanischen Präfektur Miyagi in der Region Tôhoku gelegen, ist Sendai eine Großtstadt mit über einer Million Einwohner. Während des Großbebens vom 11. März wurde die Küstenregion der Stadt durch den Tsunami schwer verwüstet und hatte etwa 700 Tote und 200 Vermisste zu beklagen. Zahlreiche Videoaufnahmen und Bilder stammten aus Sendai, um die Zerstörungskraft der Wassermassen zu dokumentieren.

Die Küstenregion der Großstadt Sendai nach dem Tsunami.

Messeinheiten zur radioaktiven Belastung

  • Sievert (Sv) – Sievert ist die Maßeinheit für Strahlendosen und wird zur Bestimmung der Strahlenbelastung auf Lebewesen herangezogen. Da 1 Sievert bereits von einer überdurchschnittlich hohen Strahlung zeugt, werden kleinere Einheiten wie Millisievert (mSv) und Mikrosievert (µSv) genutzt. Als Vergleich zur Bewertung von Strahlenrisiken dient die natürliche Strahlenbelastung, die in Deutschland 2,4 mSv pro Jahr entspricht. Bereits eine Dosis von 100 mSv führt zu stark erhöhtem Krebsrisiko, während 250 mSv zu akuten Strahlenerkrankungen führen können. Eine Strahlung von 4000 mSv führt bei jeder zweiten Person zum Tod, wobei 7000 mSv, also sieben Sievert, keine Überlebenschancen garantieren. Nach der Katastrophe wurde die Stahlenbelastung von Schulkindern in Japan auf 20 mSv pro Jahr angehoben, auch wenn die Regierung diese Werte als unbedenklich einschätzt. Für die Mitarbeiter TEPCOs, die mit der Krisenbewältigung in Fukushima beauftragt wurden, erhöhte man die jährliche Dosis von 100 mSv auf 250 mSv.
  • Becquerel (Bq) – Diese Einheit bezeichnet die Aktivität eines radioaktiven Stoffes und gibt die durchschnittliche Anzahl der Atomkerne an, die pro Sekunde radioaktiv zerfallen. Anders als Sievert entspricht 1 Bequerel einem relativ geringem Wert, sodass die Einheit meist mit Vorsätzen wie Kilo oder Mega auftritt. Ein Kilogramm Kalium hat eine (Radio-)Aktivität von etwa 32.000 Becquerel. Die Menge des im menschlichen Körper enthaltenen Kaliums zeugt von einer Aktivität von 5.000 Becquerel. Das natürliche in Mineralien auftretende Element Uran hat eine Aktivität von 12,45 Millionen Becquerel pro Kilogramm.

Die grafische Darstellung eines Druckwasserreaktors mit getrennten Wasserkreisläufen. (Copyright © San Jose, Lizenz: CC BY 3.0)

Verbreitete Karftwerkstypen

  • Druckwasserreaktor (DWR) – Dieser Kraftwerkstyp findet weltweit am häufigsten Verwendung und wird mehrheitlich von europäischen Industrieländern wie Deutschland und Frankreich genutzt. Anders als beim Siedewasserreaktor (SWR) verfügt dieser Typ über mehrere Wasserkreisläufe. Das durch die Brennstäbe erhitzte Wasser und der erzeugte Wasserdampf kommen nicht mit den Turbinen in Kontakt. Das kontaminierte Wasser hat einen separaten Wasserkreislauf und durchströmt nur einen Teil des Kraftwerks, um den zweiten Wasserkreislauf zu erhitzen.
  • Siedewasserreaktor (SWR) – Das Kühlsystem des SWR ist mit mehr Risiken verbunden, da das mit den Spaltprodukten versetzte Wasser direkt mit den Turbinen in Kontakt tritt. Im Gegensatz zum DWR nutzt dieser Kraftwerkstyp weniger Wasserkreisläufe. Siedewasserreaktoren wurden zu großen Stückzahlen in Japan gebaut. Durch die Kontaminierung der Turbinen stoßen Wartungs -und Reinigungsarbeiten häufig auf Probleme und gesundheitsgefährdende Risiken.
  • Brutreaktor – Ein Brutreaktor stellt mehr Energie als ein DWR oder SWR bereit, sorgt neben der Energiegewinnung aber auch zur Erzeugung von spaltbarem Brennmaterial. Zwar erzeugt jeder Kernreaktor Spaltprodukte, doch wird in einem Brutreaktor mehr Material erzeugt, als er zur Energiegewinnung benötigt. Der Reaktortyp wird aufgrund seiner höheren Sicherheitsrisiken und der Erzeugung von waffenfähigem Plutonium als riskant eingestuft. Dennoch plante Japan vor dem Unglück von Fukushima, diese Reaktortechnik im eigenen Land weiter auszubauen, da auf kleinerem Raum größere Energiemengen erzeugt werden. Zur Energiegewinnung und zu Forschungszwecken nutzen heute die USA, Russland, die Volksrepublik China und Indien diese Art von Reaktor.

Quellen:

Das Tôhoku-Erdbeben 2011 und die Intention von „Fukushima 24/7“

Es war der 11. März 2011, als vor der Präfektur Miyagi der japanischen Region Tôhoku um 14.46 Uhr Ortszeit ein Beben im Pazifischen Ozean gemessen wurde, das nachträglich als „Tôhoku-Erdbeben 2011“ bzw. „Große Erdbebenkatastrophe Ost-Japans“ in die Geschichte einging. Nach Informationen der Japan Meteorological Agency (JMA) lag das Hypozentrum in annähernd 24 km Tiefe und hatte eine Stärke von 9,0 auf der Momenten-Magnituden-Skala. Eine Intensität, die das größte, jemals in Japan gemessene Beben erzeugte. Das Epizentrum des Bebens wurde etwa 370 km nordöstlich von Japans Metropole Tokio gemessen und konnte aufgrund seiner Stärke problemlos auf der gesamten japanischen Inselkette nachgewiesen werden.

Beben-Verteilung vom 11. bis 14. März 2011 vor der Küste Japans. (Hellgrün: 11.3.2011, Gelb: 12.3.2011, Orange: 13.3.2011, Rot: 14.3.2011)

Die gewaltige Intensität der Erschütterung war zugleich der Auslöser für zwei weitere Katastrophen, weshalb das Beben nur kurze Zeit später als sogenannte „Dreifachkatastrophe“ weltweit in den Medien zirkulierte. Der mehr als 10 Meter hohe Tsunami war einer der beiden Katastrophen, die aus dem Seebeben resultierten, und richtete starke Verwüstungen an der Küste Miyagis an. Besonders betroffen und von internationalen Medien durch Bild- und Videodokumentationen oftmals aufgegriffen war die japanische Großstadt Sendai, die sich 130 km westlich des Epizentrums befand.

Erdbeben, ob auf dem Festland oder als Seebeben, sind in Japan keine Seltenheit, sodass es nicht wundert, dass trotz einer solch hohen Zerstörungskraft das größte Schadenspotential abgewendet werden konnte; trotz einer für die Anwohner schwer zu verarbeitenden Anzahl von mehr als 15.700 Todesopfern. Als Vergleich dient das vielen Betroffenen im Kopf noch immer präsente Erdbeben von Haiti am 12. Januar 2010 mit einer überdurchschnittlich hohen Anzahl an Todesopfern von über 316.000 bei einem Wert von 7,0 auf der Momenten-Magnituden-Skala. Japan ist sich aufgrund seiner markanten Lage zwischen vier tektonischen Platten stets über die Gefahr von Erdbeben bewusst und tut die fast täglichen Erschütterungen nahezu als Alltagsphänomen ab. Ein ausgereiftes Frühwarnsystem und eine Vielzahl von vorbeugenden Maßnahmen verhelfen dem Großteil der Bevölkerung, sich auch vor großen Beben zu schützen. Mit 685 Toten und 180 Vermissten traf es die Großstadt Sendai durch den Tsunami womöglich am verheerendsten, doch konnte das Schlimmste bei einer Einwohnerzahl von mehr als eine Million Menschen und der Ankunft der Wassermassen innerhalb weniger Minuten verhindert werden.

Die Großstadt Sendai nach dem Tsunami.

Nach diesen Daten wäre das Tôhoku-Beben zwar als größtes je in Japan gemessenes Erdbeben eingegangen, hätte jedoch binnen Kürze das geballte Medieninteresse verloren, wie es sich noch viele Wochen nach der Katastrophe generierte. Seinen Fortbestand fand es mit der dritten Katastrophe, die den Menschen heute durch das Stichwort „Fukushima“ jene dramatischen Tage in Erinnerung rufen, die unmittelbar mit den schweren Störfällen der Kernkraftwerke von Fukushima Daiichi zusammenhängen.

Der Schock saß weltweit tief, als sich die unvermeidbare Katastrophe mindestens einer Kernschmelze herauskristallisierte; und das in einem Land, das als Industrienation von moderner Technologie geprägt ist und längst seine Mitgliedschaft unter den G8 stolz vertreten kann. Bereits die atomare Katastrophe von Tschernobyl 1987 erzeugte ein ähnliches Medieninteresse, konnte auf den Schultern nachlässiger Bedienung und gefahrenträchtiger Bauweise des Atommeilers jedoch schnell auf die Rückständigkeit seines Standorts abgewälzt werden. Nun traf es im frühen 21. Jahrhundert eine hoch entwickelte Industrienation, die sich trotz der Kombination aus Atomkraft und dem Turnus von Erdbeben sicher glaubte.

Was ist passiert? Was waren die Gründe? Hätte man dieses Szenario vorhersehen können? Wer trägt die Schuld? Was geschieht jetzt? Die Fragen nach den Ursachen und den Folgen dieser Katastrophen nehmen auch heute kein Ende. Zurückzuführen lässt sich dies mitunter auf die Verschwiegenheit des „Eisernen Dreiecks“: Der Kooperation von Betreiber TEPCO, Atom-Aufsichtsbehörden und der japanischen Regierung. Doch was passiert ist, lässt sich nur schwer rückgängig machen. Es heißt, die Katastrophe aufzuarbeiten, zu verarbeiten und Antworten zu finden, die nicht nur die Vergangenheit unter die Lupe nehmen, sondern auch die Gegenwart nach passablen Lösungen abtasten. Es heißt, das wohl vertraute und fabelhaft einstudierte Totschweigen zu brechen und die Aufmerksamkeit unserer Mitmenschen zu erlangen.

Ein verzerrtes Satellitenbild der Unglücksstelle Fukushima Daiichi. Zu sehen sind die Reaktorblöcke 3 und 4. (Copyright © Digital Globe, Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Das Team hinter „Fukushima 24/7“ ist keine Hinterlassenschaft diverser Anti-Atomkraftbewegungen, sofern unserer Leser diese Vermutung bereits hegten. Das Ziel ist vielmehr, das Problem des Totschweigens und „Herunterspielens“ gezielt anzugehen und für Aufklärung zu sorgen, welche Spätfolgen die Atomkatastrophe für die Tôhoku-Region und die japanische Bevölkerung hat. Hierbei konzentrieren wir uns sowohl auf eine gezielte Aufarbeitung, klären Fragen nach den Ursachen der Katastrophe und versorgen Sie mit aktuellen Informationen. Dieser Blog erhält keine fest geplante, regelmäßige Aktualisierung, sondern wird nach Ereignislage und dem Stand unserer Recherche versorgt. Nichtsdestotrotz sind wir bemüht, wöchentlich das Mindestmaß von einem Artikel zu erfüllen, um Ihre Aufmerksamkeit für dieses Projekt auf einem stabilen Niveau zu halten.