Gefährdung durch Lebensmittel? – Wie Japan sein Image aufpoliert

Wie sicher sind japanische Lebensmittel? Es ist eine Frage, die sich die Menschen nach der Katastrophe von Fukushima nicht nur in Japan, sondern auch auf der anderen Seite der Erdkugel stellen. Durch den globalen Handel haben es kontaminierte Produkte leicht, die Grenzen Japans zu überwinden. In Deutschland wurden die Bürger schon am Tag der Katastrophe misstrauisch gegen alle Produkte, deren Herkunftsland Japan war. Doch Deutschland ist keine Ausnahme. Auch wenn Japans Behörden aufgrund ihrer späten und unzureichenden Informationen in Verruf geraten sind, schaut zumindest die heimische Bevölkerung nicht weg.

Japanische Lebensmittel auf dem Prüfstand. Die Unsicherheit beim Kauf heimischer Produkte.

Seit März 2011 lässt sich von zwei Gruppen in Japan sprechen: Die eine, die vor jeglichen Gütern aus Fukushima warnt und die Informationspflicht der Regierung übernimmt, und die andere, die aus Angst vor dem wirtschaftlichen Aus den Verzehr von Produkten aus der Grenzregion Fukushima propagiert. Die Katastrophe des Unglücksmeilers stellt die japanischen Bauern vor ungeahnte Schwierigkeiten. Kein Mensch kommt auf den Gedanken, Produkte aus Fukushima zu erwerben oder gar zu verzehren. Selbst Landwirte, deren Besitzungen bis zu 100 Kilometer vom Atomkraftwerk entfernt liegen, haben mit mangelndem Absatz zu rechnen. Von dem Ackerland unmittelbar neben der Sperrzone ganz zu schweigen. Die Atomkatastrophe sorgt damit für einen wirtschaftlichen Schaden, der Japan noch über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, begleiten wird. Viel zu oberflächlich wäre eine bloße Konzentration der Regierung auf Dekontamination und Wiederaufbau von Sperrzone, Atommeiler und den von Tsunami und Erdbeben verwüsteten Regionen. Über diesem materiellen Wert steht das Vertrauen der Bevölkerung in die heimischen Produkte.

Zwischen diesen Gruppen steht der gemeine japanische Bürger, der im Supermarkt vor den Regalen verweilt und nach den Lebensmittelskandalen vom Sommer 2011 über die eigene Gesundheit besorgt ist. Denn nicht ohne Grunde sprossen Eigeninitiativen aus dem Boden, als kontaminierte Lebensmittel in Märkten und Kantinen entdeckt wurden. Eine dieser Initiativen ist etwa die des Japaners Motohiro Takamatsu. Aus Sorge um seine Töchter erwarb er ein deutsches Strahlenmessgerät. „Daraus entstand schliesslich eine Geschäftsidee. Im Bekumiru-Komplex beim Bahnhof Kashiwa hat Takamatsu seit kurzem ein Büro eröffnet, in dem Privatpersonen und Unternehmen selbständig ihre Lebensmittel auf Strahlung messen können“, schreibt Asienspiegel. Für bedeutend weniger Geld als bei offiziellen Stellen zur Prüfung von Lebensmitteln, verschafft Takamatsu die Sicherheit, um der Normalität eines Einkaufs in Japan ein gutes Stück näherzukommen.

Eine weitere Initiative startete der Politiker Yasuhiko Furuya, der im obigen Video über Lautsprecher seine Mitbürger warnt. Jede Woche steht er auf der Straße und mahnt sein Umfeld zur Vorsicht beim Lebensmittelkauf. Auch er fand sein Engagement zur Aufklärung durch die Sorge um die eigenen Kinder. Beim Lebensmittelskandal im Sommer 2011, als kontaminiertes Fleisch in Schulkantinen bedenkenlos verteilt wurde, waren seine drei Söhne ein kleiner Teil der mehr als 84.000 Schüler aus Yokohama. „Viele Eltern regen sich auf. Wir alle können nicht verstehen, wie verseuchte Nahrung überhaupt in den Handel gelangen kann. Wir dachten, hier in der Schule wären unsere Kinder sicher. Und genau dort serviert man ihnen verstrahltes Essen. Mir macht das Angst“, kommentiert Furuya seine bittere Erfahrung mit den japanischen Behörden. Denn diese scheinen als letztes zu schalten, wenn es um die Sicherheit der Bevölkerung geht.

Kontaminiert wurde das Fleisch durch Futter aus Fukushima. Japan ist ein Negativ-Beispiel für weite Ackerflächen und riesige Weideflächen. Zwei Drittel des Landes wird vom Gebirge beansprucht, sodass sich auf 20 Prozent der Landmasse Industrie, Menschen und Landwirtschaft ihren Platz teilen müssen. Bei diesen Bedingungen ist es ein tragisches Schicksal, wenn die begrenzten Flächen für die Landwirtschaft nun kontaminiert sind. Das Liefer- und Ausfuhrverbot von Lebensmitteln und Stroh aus Fukushima bedeutete das finanzielle Desaster für die Farmer, auch wenn die Entfernung zwischen Ackerfläche und Atommeiler Dutzende Kilometer beträgt.

Importierte Lebensmittel aus Japan. (flickr/ Jean-François Chénier)

Monate nach dem Verbot zeichnet sich ein anderes Bild ab. Regierung und Behörden sprechen sich momentan für die Sicherheit von Waren aus Fukushima aus und betreiben aufwendige Werbe- und Image-Maßnahmen, um den wirtschaftlich brach liegenden Regionen von Fukushima neues Wachstum zu verleihen. Das Ziel des japanischen Außenministeriums ist es unterdessen, die internationalen Einfuhr-Beschränkungen von Lebensmitteln zu lockern, nachdem der Griff nach japanischen Lebensmitteln weltweit gleich drei Mal überdacht wurde. Die richtige Richtung schlägt die Regierung seit April 2012 mit der Verschärfung der Grenzwerte für Grundnahrungsmittel ein, auch wenn diese nur für Konsumenten im Inland gelten. Von zulässigen 500 Becquerel wurde die Radioaktivität auf 100, Babynahrung auf 50 Becquerel pro Kilogramm gesenkt. Der Grenzwert von Wasser wurde sogar um 95 Prozent gemindert. Mit den neuen Auflagen zählt Japan aktuell zu den Ländern mit den strengsten Grenzwerten. „In den USA sind 1.200 Becquerel aus Cäsium pro Kilogramm erlaubt. Die EU schreibt bei einem Atomunfall maximal 1.000 Becquerel pro Kilogramm an Cäsium vor. Nach Ansicht von Wissenschaftlern sind diese Strahlenmengen gesundheitlich unbedenklich“, schreibt Japanmarkt.

Die EU übernahm die Grenzwerte für Importwaren aus Japan. Allerdings sind von dieser Verschärfung getrocknete Teeblätter, Reis und Sojabohnen und deren Erzeugnisse ausgeschlossen. Hier gelten nach wie vor die alten Grenzwerte. Es scheint, als befinde sich in Sachen Lebensmittelkontrolle nicht mehr die japanische Regierung, sondern die Europäische Union im Kreuzfeuer der Kritik. Denn die Verbraucherzentrale Hamburg schreibt: „Auch für Lebensmittel aus anderen Regionen, z.B. aus der Region rund um Tschernobyl, gelten weiterhin die alten Werte von 600 Becquerel, um in der Europäischen Union in den Handel zu gelangen. Selbst in der Ukraine und in Weissrussland gelten strengere Grenzwerte als in der EU. Das ‚Grenzwert-Chaos‘ wird von den Verbraucherzentralen bemängelt; verbraucherfreundlicher wäre das Absenken aller gültigen Grenzwerte auf das neue Niveau für japanische Lebensmittel.“ Japan wird zum weltweiten Vorbild radioaktiver Grenzwertkontrollen. Es ist der erste erfolgreiche Schritt, das Image des Landes aufzupolieren.

Japanischer Lebensmittelmarkt in Sendai. (AFP)

Ein anderer Fall, die japanische Fisch-Industrie. Während der Katastrophe wurde, ob bewusst oder ungewollt, kontaminiertes Kühlwasser in das Meer abgelassen. Die Auswirkungen spüren wir erst in den folgenden Jahren und Jahrzehnten, doch könnten sie immens sein. Erhöhte Strahlenwerte in der Küstenregion um Fukushima wurden bereits zuhauf gemessen, die sich selbst auf die südliche Küstenregion der Präfektur Ibaraki ausgeweitet haben. Ungewohnt früh reagierte die Regierung und verhängte bereits im März 2011 ein Fangverbot für diese Regionen. Vorzeitige Entwarnung gab es allerdings bei den übrigen Regionen. Im Januar 2012 wurden über 5000 Fische dieser Gebiete auf ihre Radioaktivität getestet, kein einziger überstieg die Grenzwerte. Selbst Wanderfische wie der Thunfisch, der die Küstenregion um Fukushima durchwandert, zeigte keine beunruhigenden Werte, sofern den Angaben zu trauen ist. Laut Asienspiegel könnten die Fische südlich von Tokio bedenkenlos verzehrt werden, da durch die Strömungsverhältnisse kontaminiertes Wasser aus Fukushima maximal bis zur Präfektur Chiba gelangt, bevor es in Richtung Pazifik abdriftet. Ohne ein Fangverbot an der Küste Chibas bleibt trotz aller Entwarnungen zu hoffen, dass diese Lücke keine weiteren Lebensmittelskandale zu Tage fördern.

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Suzuki Tomohiko – Auf der Spur der kriminellen Ader Japans

Monate nach der Katastrophe von Fukushima nahm das Interesse der japanischen Medien an der Atompolitik des eigenes Landes rapide ab. Politik, Wirtschaft und Medien waren sich einig: Der Ausnahmezustand wurde aufgehoben, da der Zustand der zerstörten Meiler wieder stabil sei. Die Information, dass die Folgen der Nuklearkatastrophe ihren Lauf nehmen, dringt nur schwach an die Öffentlichkeit. Die Gesellschaft hört weg, wenn es um Schlampereien des Kraftwerksbetreibers TEPCO geht. Erst recht, wenn sich eine Organisation der Probleme annimmt, die für ihre Mafia-ähnliche Organisationsform und kriminellen Methoden bekannt ist.

Ein Sattelitenbild des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi nach dem Großbeben im März 2011. (Getty Images)

Gemeint ist die Yakuza, eine kriminelle Organisation, die in westlichen Medien oft als „japanische Mafia“ bezeichnet wird. Ihre Entstehung geht in die Vormoderne Japans zurück. Da seit 1993 das japanische Gesetz die Zugehörigkeit zu einer kriminellen Organisation unter Strafe stellt, agieren ihre Mitglieder zunehmend im Untergrund, was ihren Einfluss auf Politik und Finanzmärkte nicht mindert. Zu ihren Geschäften zählen Prostitution, Menschen- und Drogenhandel, Glücksspiel und Schutzgelderpressung. Neu ist hingegen die Vermittlung von Arbeitskräften, zumeist Ausländer ohne Aufenthaltserlaubnis. Es ist die Verbindung der Yakuza zur Atomindustrie Japans, denn wer würde die Bereitstellung von Arbeitskräften für derart gefährliche Aufgaben in einem zerstörten Atomkraftwerk übernehmen, wenn nicht eine kriminelle Organisation?

Im Dezember 2011 veröffentlichte der Autor und Journalist Suzuki Tomohiko sein Buch „Yakuza to genpatsu. Fukushima Dai’ichi sen’nyûki [Die japanische Mafia und die Atomindustrie. Geheime Reportage über den Meiler Fukushima I]“ und gab der Öffentlichkeit erstmals einen Einblick in die Machenschaften der Yakuza im Schatten der Atomindustrie Japans. Seine Informationen gewann er aus erster Hand, denn als investigativer Journalist, getarnt als Leiharbeiter, schleußte er sich im Sommer 2011 für mehrere Wochen in Fukushima ein. Seine Entdeckungen reichten von unverantwortlichen Sparmaßnahmen TEPCOs, bis hin zur bewusst unterlassenen Gefahrenaufklärung der Leiharbeiter. Seine Aufmerksamkeit galt allerdings der Beziehung von AKW-Betreiber und Yakuza, die stetig nach Arbeitskräften für eine Tätigkeit Ausschau hielten, die bewusst niemand freiwillig übernehmen möchte.

Freier Autor und Journalist Suzuki Tomohiko bei der Präsentation seines Buches. (AFP)

Mit Minikamera im Armbanduhr-Format betrat er eine Welt, die ihm durch frühere Recherchen schon vertraut ist. Die Yakuza ist sein Spezialgebiet, seine einzige Beziehung. Denn Frau und Kinder hat er nicht. Mit einer Familie könnte er dieser Tätigkeit nicht nachgehen. Zu groß wäre das Risiko für die eigenen Angehörigen. „Suzukis Recherche, die die erste sein dürfte, die den aktuellen Abläufen im AKW Fukushima I dergestalt nahe gekommen ist, will zeigen, dass das Atomgeschäft letztlich eine schmutzige Angelegenheit darstellt, getragen von zahlreichen Akteuren und Profiteuren – die letzten Glieder in der Kette bilden die „Wegwerfarbeiter“ oder „Atomzigeuner“. Der Cold Shutdown kann aus diesem Blickwinkel eventuell nur als Versuch der Regierung gelten, sich zu rehabilitieren und zur Tagesordnung überzugehen. Der Wiederaufbau in Fukushima, so vermittelt uns Suzuki, ist aber gerade erst am Anfang“, kommentiert Lisette Gebhardt von der Japanologie Frankfurt auf der Seite der „Textinitiative Fukushima“.

Laut Suzuki, der schon öfters Berichte über die Yakuza an japanische Medien sendete, seien die Kriminellen schon vor dem Unglück von 2011 keine Unbekannten in Fukushima und der Atomindustrie gewesen. Gerade durch die Katastrophe ist ihr Einfluss mit der Beschaffung von Arbeitskräften für die AKW-Betreiber noch mehr gewachsen. „Es wird gemunkelt, dass die Yakuza-Mitglieder, die vor dem Unfall gewöhnliche Fahrzeugen fuhren, nun mit noblen Autos unterwegs sind“, berichtet er. Zur Zeit seiner Recherche als Leiharbeiter in Fukushima war es für die Arbeiter nicht unüblich, ihre Strahlenmessgeräte zu manipulieren. Da Regierung und TEPCO verkündet hatten, alles stehe wieder unter ihrer Kontrolle, wurde der Lohn für die Arbeiter stark gekürzt. Um trotz der hohen Strahlung nicht ausgetauscht zu werden, gingen manche Arbeiter sogar soweit, indem sie die Dosiermeter bewusst falsch bedienten oder in ihre Socken steckten, um die Messwerte auf einem möglichsten geringem Niveau zu halten.

Das Cover von Suzuki Tomohikos Buch „Yakuza to Genpatsu“. (Bungei Shunju)

Im Zentrum der Korruption von Atomwirtschaft und Politik steht die japanische Mafia. Suzuki weiß, dass die Beteiligung der Yakuza an der Atomindustrie für westliche Leser unverständlich ist und ihre Mitglieder sogar ihr eigenes Leben im Falle eines nuklearen Unfalls riskieren. Doch Suzuki weiß durch seine langjährigen Recherchen auch, dass die Yakuza tief in der japanischen Gesellschaft verwurzelt sind. Tatsächlich waren die Mitglieder dieser Organisation eine der ersten Helfer nach dem Beben, unterstützten die Anwohner mit Lebensmitteln und Lieferungen und kontrollierten die Straßen, um Plünderungen vorzubeugen. Die Existenz der Yakuza ist auch für die Regierung Japans kein Geheimnis. Die Organisation verfolgt ihre eigenen Interessen und kümmert sich um die Art von schmutzigen Geschäften, die keine Behörde, keine Gruppe und keine Einzelperson in Japan sonst nachgehen würde. Damit füllt sie eine Lücke in Japan, die sich zwar im Grenzbereich des Legalen und darüber hinaus bewegt, für das japanische System aber eine Rolle übernimmt, die womöglich nicht mehr wegzudenken ist.

Suzuki erinnert sich an ein Gespräch: „Ein ehemaliger Yakuza-Boss erzählte mir, dass seine ‚Gruppe‘ schon immer in der Rekrutierung von Arbeitern für die Atomindustrie involviert war. ‚Es ist dreckige, gefährliche Arbeit und die einzigen Personen, die es machen wollen, sind obdachlos, Yakuza oder Leute, die so hoch verschuldet sind, dass sie keinen anderen Ausweg sehen, als es in dieser Form abzubezahlen.'“ Für Suzuki liegt die Inkaufnahme des Todes durch radioaktive Verstrahlung darin begründet, dass die Mehrheit der Arbeiter keine Kenntnisse über Radioaktivität besitzen. Für sie ist es ein gesundheitlicher Schaden, der sich vielleicht in zehn Jahren bemerkbar machen könnte. Damit ist es ein Risiko, dass die Arbeiter bereit sind, einzugehen, anstatt von dem kriminellen Netzwerk verschluckt zu werden.

Dass die Arbeiten im Unglücksmeiler alles andere als ungefährlich sind, wissen auch die Arbeiter. Einer erzählt, er wurde mit dem Hinweis zum Weiterarbeiten bewogen, dass sich eine Yakuza-Gruppe in der Umgebung befindet, als er versucht hatte, die Arbeit frühzeitig zu beenden. Dass Betreiber TEPCO nichts von diesen Machenschaften weiß, bezweifelt er. Und in der Tat stimmten ehemalige Manager, Arbeiter und Polizeibeamten TEPCOs zu, das Unternehmen wisse, dass es mit der Yakuza zusammenarbeitet. Nur kümmern tut es den Konzern nicht.

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Nuclear Ginza – Die traurige Wirklichkeit vom anderen Japan

Ab Mitte der 1960er durchlebte Japan die Phase seines größten wirtschaftlichen Aufstiegs, nachdem es nur wenige Jahre nach der Kapitulation zum Ende des Zweiten Weltkriegs in eine tiefe Depression fiel. Die Wirtschaft blühte, erreichte ein jährliches Wachstum von über zehn Prozent und verschaffte sich damit die Grundlage als Industrienation. Die Konkurrenz aus Übersee beäugte den Aufstieg Japans argwöhnisch und rätselte um den Erfolg des ostasiatischen Staates. Viele Faktoren, die für eine gewisse Einzigartigkeit der Japaner sprechen, wurden herangezogen, um sich eine Antwort auf das Wirtschaftswunder Japan zu bilden. Doch es war auch jene Zeit, in der die Atomtechnologie als Energieerzeuger in Japan Fuß fasste und den wirtschaftlichen Aufstieg förderte. Die Leidtragenden sind die Verlierer der Gesellschaft. Es sind die Tagelöhner und Arbeitslosen, Arbeiter in Slums und Menschen auf der Straße. Von ihnen berichtet der 25-minütige Dokumentarfilm „Nuclear Ginza“ (1995).

Eine grafische Übersicht der Küstenregion der Präfektur Fukui. Zu sehen sind die Ballungspunkte von insgesamt 13 Kernkraftwerken. (Criticality.org)

Der Titel der Dokumentation verweist auf die Küstenregion entlang der Präfektur Fukui in Westjapan. Das Gebiet verzeichnet aktuell 14 Atomkraftwerke und nimmt dabei Bezug auf die berühmte Einkaufspassage Ginza, nahe der Küste der Tokioter Bucht. Dicht aneinander gedrängt, reihen sich in Tokio edle Nobel-Boutiquen, Theater und Restaurants aneinander. In der Präfektur Fukui sind es nicht die Shopping-Tempel, sondern die dichte Ansammlung von Kernkraftwerken, die die Küstenregion prägen. Das Gebiet um die Wakasawan-Küste umfasst ausschließlich Kernkraftwerke des Energiekonzerns Kansai Denryôku, dem westjapanischen Gegenstück zu TEPCO. Der Konzern stellt Energie für mehrere Großstädte der Kansai-Region bereit, darunter Osaka, Kyoto und Kobe. Etwa 50 Prozent des Energiebedarfs werden von den Atomkraftwerken der „Nuclear Ginza“ gedeckt. Mit einem Aufkommen von 14 Reaktoren an der Küste auf einer Strecke von 90 Kilometern ist es der größte Ballungsraum von Atomkraftwerken weltweit.

Produziert wurde die Dokumentation von Nicholas Rohl, der sich wesentlich auf die Arbeiten des investigativen Fotojournalisten Kenji Higuchi stützt, der im Bericht mehrmals als Interview-Leiter auftaucht. Mit Kamera und der nötigen Initiative betrat er eine Welt, die Touristen, Geschäftsleuten und Japan-Begeisterten vollkommen fremd ist. Eine Welt, in der Korruption und die Ausnutzung der gesellschaftlich Schwachen zur Routine wurde. Eine Welt, in der das organisierte Verbrechen längst die Oberhand gewann und die Regierung bewusst die Augen verschließt. Der Film ist zu einer Zeit entstanden, als Atomkraftwerke in Japan förmlich aus dem Boden sprossen, und mit ihnen die Probleme für die untere Gesellschaftsschicht. Japan rüstete sich Anfang der 1990er für eine energiereiche Zukunft, nachdem bereits die vorherigen Jahrzehnte im Zeichen der Atomtechnologie standen. Um den gewaltigen Energiehunger des Landes zu stillen, wurden in den Jahren von 1989 bis 1995 ganze 15 Kernkraftwerke in Betrieb genommen.

Nicholas Rohls Fokus liegt auf den Einzelschicksalen der Arbeiter und deren Angehörigen. Sie erzählen von ihrer Anstellung in den Kraftwerken und deren Auswirkung auf ihr Leben. Wer einmal in der Gesellschaft Japans abstürzt, rafft sich so schnell nicht wieder auf. Die Chance auf ein besseres Leben sehen viele Betroffene in ihrer Hoffnung auf gut bezahlte Arbeit. Mit rentablen Löhnen und leichter Arbeit werden sie geködert, ohne misstrauisch und kritisch gegen ihre Arbeitsvermittler und Vorgesetzten vorzugehen. Als Objekte behandelt, sind sie jederzeit auswechselbar, falls der gesundheitliche Zustand keine Ausbeutung der Arbeitskräfte mehr zulässt.  „Nur ein einziges Mal wurde es mir erlaubt, Fotos in einem Atomkraftwerk zu machen… Ich werde nie vergessen, wie es war. Die Hitze und die Dunkelheit; die Arbeiter, entkleidet, ungeschützt und vom Schweiß durchnässt. Sie standen in einem Sauerstoffzelt, ringend nach Luft“, schildert Kenji Higuchi seine Eindrücke.

Ohne Vorbildung, Aufklärung und angemessener Schutzbekleidung setzen sich die Arbeiter radioaktiver Strahlung aus. Die Symptome der radioaktiven Belastung gleichen denen der Liquidatoren, die einst die Katastrophe von Tschernobyl einzudämmen versuchten. Die Zähne bröckeln, das Haar fällt aus, der Alterungsprozess beschleunigt sich. Durch die Schädigung der Chromosomen ist Impotenz unter den Männern keine Seltenheit, sofern sie der Strahlungen über lange Zeit ausgesetzt waren. Hinzu kommen Depressionen und die Diskriminierung von allen Seiten der Bevölkerung. Der Körper ist ausgelaugt und verzehrt. Die Gesellschaft Japans tut sich schwer, die Probleme der untersten Schwelle der Atomindustrie zu verstehen, denn es ist ein Thema, das konsequent von Regierung und Wirtschaft unter Verschluss gehalten wird. Die Mehrheit der Arbeiter versteckt sich, anstatt an die Öffentlichkeit zu gehen. Für die Kraftwerksbetreiber ist es ein leichtes Spiel, die Schweigepflicht ihrer abgetriebenen Arbeitskräfte käuflich zu erwerben. „Die traurige Wirklichkeit in Japan ist leider, dass die Demokratie in den Gebieten mit Atomkraftwerken zerstört wurde“, kommentiert ein Japaner die Situation im Video.

Die Anzahl der betroffenen Arbeiter lag während der Entstehung der Dokumentation bei 290.000 Menschen. Hoffnung auf Veränderung gab es keine. Japans Atompolitik plante vor Fukushima die Ausweitung von Kernkraftwerken, ohne die Expansion alternativer Energien in Erwägung zu ziehen. Mehr als ein Jahr nach der Katastrophe von Fukushima, in einem Japan der Gegenwart, das ganz ohne Atomstrom auskommt, glänzt erstmals der Hoffnungsschimmer auf ein Bruch dieser Tradition.

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Plutonium Boy – Ein Image-Film mit gravierenden Fehlern

Als in den 1960ern die ersten Atomkraftwerke in Japan aus dem Boden sprossen, traf die japanische Atomlobby Vorkehrungen, um den Protest der Öffentlichkeit im Keim zu ersticken. Der Schock in der Bevölkerung war groß, als die Regierung beschloss, Atomkraft im eigenen Land zu etablieren. Mit dem Atomschlag der USA gegen Japan zum Ende des Zweiten Weltkriegs machte sich Unsicherheit breit. Japan ist das einzige Land, in dem Kernwaffen bisher zum Einsatz kamen. Mit solch einer negativen Erfahrung vorbelastet, ist es heute nahezu paradox, dass ein Land wie Japan nur 20 Jahre nach Ende des Krieges seinen ersten Meiler in Betrieb nahm.

Ohne mediale Maßnahmen wäre es ein aussichtsloses Unterfangen gewesen, Atomkraft im eigenen Land zu etablieren. Schon zu Kriegszeiten war die mediale Aufbereitung politischer Ideologien ein Mittel, die Masse des Volks zu kontrollieren. Nicht nur Japan, auch Deutschland, die USA und andere Länder nutzten Propaganda im großen Stil. Doch anders als zu Kriegszeiten stand die Wirtschaftlichkeit des Landes im Vordergrund, nachdem sich das Land von der Niederlage erholt hatte. Die Nation benötigte Ikonen, die ihr die Angst vor der Atomtechnologie nahm. Eine Werbefigur sollte es sein, die aufklärt und lächelt, die Angst zügelt und für eine bedenkenlose Zukunft sorgt.

Kein Mittel war und ist für Japan geeigneter, als eine freundlich gesinnte Comic-Figur mit Superkräften. Zu Beginn fand Astroboy (Tetsuwan Atomu) seinen Weg zu den japanischen Bürgern, indem er regelmäßig im Fernsehen über den Bildschirm flimmerte. Sein Markenzeichen war Hochtechnologie, mit der er Gerechtigkeit walten und das Böse bekämpfen konnte. So schlich der kleine Astroboy in der Medienwelt Japans umher, erschien im Manga und Anime-Format und erfreute sich einer Beliebtheit, die ihn selbst einen Platz im westlichen Fernsehen besorgte. Auszusetzen gab es an dem Jungen mit markanter Spitzen-Frisur nichts, denn nur unterschwellig wurde die Begeisterung des Volks für Hochtechnologie geweckt.

Eine Plutonium-Scheibe auf einem Calciumchlorid-Block.

Einen Fehltritt leistete sich Jahre später die „Power Reactor and Nuclear Fuel Development Corporation“ (PNC) mit einem Image-Film, der international auf harte Kritik stoß und kurz nach seiner Erstausstrahlung wieder eingestellt wurde. Die Rede ist von „Plutonium Boy“ (puruto-kun). Mit fröhlich heller Stimme stellt sich das kleine Geschöpf im Video vor und sorgt laut PNC für die Aufklärung der Öffentlichkeit über das radioaktive Element Plutonium. „Hallo, ich bin das kleine Plutonium. Ich hasse Krieg und setze mich für Frieden ein“, lässt sich der Einstieg des Image-Films zusammenfassen. „Plutonium Boy, unser verlässlicher Freund“, propagiert das Video wenig später und schüttelt kurz darauf die Hand unserer Erde. Die Botschaft ist eindeutig und sollte nachhaltig den Bau weiterer Atomkraftwerke fördern. Nicht umsonst wählte man Plutonium als Ikone des Image-Films. Vor der Katastrophe in Fukushima schmiedete die Regierung noch Pläne, den Schnellen Brüter als Kraftwerkstypen im eigenen Land zu verbreiten. Genau jenes Kernkraftwerk, das mehr Plutonium erzeugt, als es verbraucht.

Plutonium Boy erklärt, die Angst vor ihm sei unbegründet. Allerdings vermischen sich gravierende Fehler in seine Ausführungen. So beteuert er, es bestehe keinerlei Gefahr beim Hautkontakt mit dem radioaktiven Element. Selbst das Verschlucken von Plutonium sei unerheblich, da es wieder ausgeschieden werden kann. Zwar ist die α-Strahlung von Plutonium weitaus geringerer, als bei Uran, sodass direkter Hautkontakt wenig Wirkung zeigt, doch eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht. Dass das Metall unter keinen Umständen in den Körper gelangen darf, davon haben die Macher des Videos offenbar nichts gewusst oder ihre Unwissenheit durch bloße Mutmaßung vertuscht.

Wieder und wieder wird der politische Kanon auch im Video wiederholt, es gäbe keine belegbaren Fälle, dass Plutonium Krebs hervorrufen könnte. Einzeln präsentiert das Video Aufnahmen von Atomkraftwerken und propagierte eine Sicherheit, die durch heitere Melodien im Hintergrund und Aufnahmen des technologischen Fortschritts hervorgerufen wird. Mit der aufkeimenden kritischen Bewegung in Japan, wie sie der Film „Radioactivists“ verdeutlicht, dürfte es der Atomlobby schwer fallen, das gute Image der Atomtechnologie heute erneut aufleben zu lassen.

Radioactivists – Eine Dokumentation zur Protestbewegung in Japan

Protest war in der japanischen Öffentlichkeit eine Randerscheinung. In Japan ist das Wort kôgi (抗議) ein geläufiger Begriff für diese Art der Meinungsäußerung. Doch die Lettern schließen auch unsere Bedeutung von Einspruch und Einwand ein. Ein schwieriges Unterfangen bei einem System, das seit Jahrzehnten als Kollektiv operiert und die Meinung des Einzelnen straft oder ignoriert. Seit 2011 erlebt Japan allerdings einen Umbruch, der nicht nur das politische System in Frage stellt, sondern gleichsam die Gesellschaft an neue Möglichkeiten heranführt. Protestbewegung ist der Schlüsselbegriff, der den japanischen Bürgern Initiative ergreifen lässt, um sich gegen das marode System aus Bürokratie, Wirtschaft und Politik zu behaupten.

Die Protestbewegung in Japan. (Copyright © Radioactivists.org)

Nach dem Unglück in Fukushima war es für die Leipziger Studentinnen Julia Leser und Clarissa Seidel geradezu verpflichtend, die Anfänge der neuen Bürgerbewegung Japans zu dokumentieren. Mit kompakten Film-Equipment ausgestattet und dem Interesse, einen tieferen Einblick in diese Bewegung zu erhalten, bündelten sie ihre Eindrücke in dem Dokumentarfilm „Radioactivists“. In 70 Minuten zeigt der Film verschiedene Akteure der Bewegung, um die Ansichten und Beweggründe der Protestierenden einzufangen. Gegenstand ist der Protest und die Menschen, die ihn nach Jahren für sich wiederentdecken. In kurzen Sätzen verweisen Julia und Clarissa auf vergangene Ereignisse, arbeiten für den Betrachter auf und fassen die Informationen zusammen, die sich aus den Gesprächen der Akteure ergeben.

Zu den Gesprächspartnern zählen Vertreter der Mittelschicht, Anarchisten und akademisch orientierte Aktivisten. Doch so durchmischt sie auch sind, das Ziel bleibt bei allen gleich. Gegen Atomkraft, gegen die politische Struktur. Denn wie aus dem Film hervorgeht, ist die Atomkraft selbst nur ein Nebenprodukt der eigentlichen Problematik. Ein System, das vor der eigenen Verantwortung die Augen schließt und die Öffentlichkeit im Dunkeln lässt. Protestiert wird gegen den aktuellen Zustand der eigenen Gesellschaft, gegen die japanische Version von Leiharbeitern und Tagelöhnern (Freeter), die sich in Atomkraftwerken gesundheitlicher Risiken aussetzen, um das Mindestmaß ihrer Existenz zu sichern. Die Öffentlichkeit ignorierte derartige Probleme konsequent. Nun senkt sie langsam ihr Haupt und wirft die Frage auf, wie sich diese Zustände rechtfertigen ließen. Der Protest macht diesem Ärger Luft: Es wird Zeit, einen neuen Lebensstil anzustreben.

Anti-Atomkraft-Protest in Tokio am 16. November 2011.

Protest ist in Japan allerdings kein Fremdwort. Doch seit den 1970ern nahmen die Protestbewegungen rapide ab. Zu schnell wurde die Parallele zu politischen Ideologien wie Sozialismus und Kommunismus gezogen, zu sehr fürchtete der Staat die Auseinandersetzungen, mit denen man seit den Arbeiterbewegungen und Studentenrevolten vertraut war. Es entwickelte sich binnen weniger Jahre eine Abneigung gegen jegliche Form der Demonstration, die es politischen Engagierten schwer machte, an Protesten unbehelligt teilzunehmen. Heute sind die Menschen wütend. Zwischen Wut und Ärgernis mischt sich indes ein dritter Faktor, der die Meinungsäußerung im Kollektiv so populär macht. Es ist eine Form von Spaß, die Lust zum Protestieren und die Befreiung von den Ketten stummer Resignation. Japan übt sich in seiner eigenen Form des Protests. So kommen bunte Clowns und alternative Szenen zum Vorschein, um sich gegenseitig die Hände für ein gemeinsames Anliegen zu reichen. Bunt und schrill präsentieren sie sich und holen Protestsongs aus einem Repertoire, das einst den späten 80ern galt.

Mit 15.000 Teilnehmern wurde am 10. April 2011, ein Monat nach der Katastrophe, eine beachtliche Masse an Protestlern erzeugt, die der konservativen Lebensweise die Stirn bot. Anfangs ungeachtet von Politikern und Medien einigte man sich auf monatliche Proteste, um das aufbegehrende Streben für eine tiefgreifende Veränderung in Japan nicht zu verlieren. Initiator und Organisator ist der Verein „Shiroto no Ran“ (Aufstand der Amateure), eine Gruppe aus Betreibern von Second-Hand-Läden und anarchistisch gerichteten Mitmenschen, die schon vor Fukushima den Protest auf kleiner Ebene probten. Der 11. März war Anlass genug, den Protest gegen Atomkraft auszurichten. Erwartet wurden 500 Teilnehmer – eine krasse und doch erfreuliche Fehleinschätzung bei Demonstrationen, die im Laufe des Jahres mehrere Zehntausend Protestierenden zählten.

Die Studentinnen Clarissa Seidel (l.) und Julia Leser (r.) während der Dreharbeiten für ihren Dokumentarfilm „Radioactivists“. (Copyright © Radioactivists.org)

„Radioactivists“ ist nicht nur Dokumentation, sondern auch Kritik gegen die Ablehnung jeglicher Individualität und freier Meinungsäußerung in Japan. „Es ist eine Kritik daran, dass es immer noch schwierig ist, in Japan eigene Gedanken oder Meinungen zu äußern, Dinge zu kritisieren, zu hinterfragen“, berichtet Julia Leser, die uns gleichzeitig für ein kurzes Interview zur Verfügung stand.

Fukushima 24/7: Wie seid ihr dazu gekommen, euch mit der Protestbewegung auseinanderzusetzen? Du als Japanologie-Studentin hast natürlich einen Bezug, doch Clarissa stammt aus der Medienwissenschaft. Habt ihr euch erst durch das Projekt kennengelernt?

Julia Leser: Ich habe mich während meines Studiums schon mit der Protestkultur Japans beschäftigt, da ich dieses Thema äußerst spannend fand, besonders die D.I.Y.- und Punkkultur um Shirōto no Ran, den „Aufstand der Amateure“ aus Tokio. Mit Clarissa habe ich vor meinem Japanaufenthalt in Leipzig zusammen gelebt, so dass wir die Interessen- und Studiengebiete des jeweils anderen gut kannten und dafür interessierten. So konnte ich sie auch für das Thema begeistern, lang bevor überhaupt die Filmidee aufkam. Mein Auslandsstudium habe ich von September 2010 bis August 2011 in Tokio an der Waseda Universität verbracht, habe also ein Jahr dort gelebt. Auch Clarissa hat mehrere Wochen in Tokio verbracht um einen Japanisch-Sprachkurs zu machen. So waren wir beide an dem Tag in Japan, als die Katastrophe passierte und haben deshalb auch die Entscheidung getroffen, zusammen den Film zu drehen.

Fukushima 24/7: Wie schätzt du die Protestbewegungen in Japan ein? Denkst du, sie unterscheiden sich erheblich von den Protesten in Deutschland und anderen Ländern?

Julia Leser: Mit unserem Film wollten wir vor allem zeigen, wie besonders diese Demonstrationen sind, die in Japan seit der Katastrophe stattfinden. In Japan ist es eher unüblich zu demonstrieren, aus ganz verschiedenen Gründen. Zum Beispiel haben Demos immer noch ein schlechtes Image, das von gewalttätigen Protesten der 1970er Jahre herrührt. Außerdem ist es schwieriger in Japan als hier, seine Meinung öffentlich zu äußern. Deshalb ist es umso erstaunlicher, dass seit gut einem Jahr soviele Menschen auf die Straße gehen – für Japan ist das ein historischer Moment.

Fukushima 24/7: Anfangs stand die Masse von 15.000 Protestierenden im Vordergrund, sodass man annehmen konnte, die künftigen Proteste seien mit weniger Teilnehmern bereits unbedeutend. Allerdings fasste der nächste Protestzug einen Monat später abermals 15.000, der dritte bereits 20.000 Teilnehmer. Wie lässt sich die Lage nach euren Dreharbeiten und in der Gegenwart einschätzen?

Julia Leser: Die Proteste, die wir bis Juni 2011 dokumentieren, gingen seitdem weiter. Die größte fand im September statt, mit 60.000 Teilnehmern in Tokio. Mittlerweile haben sich die Proteste über das ganze Land ausgedehnt und viele Gruppen und Initiativen sind hinzu gekommen und organisieren eigene Demos. Außerdem hat die Bewegung mittlerweile sehr feste Strukturen angenommen. Im April vor einem Jahr war es noch ein „amateurhafter“ Aufruf zur Demo. Mittlerweile finden Konferenzen, zunehmend internationale Vernetzung der Aktivisten, konkrete Forderungen (z.B. nach Entschädigungszahlungen, Strahlengrenzen usw.) und erste Schritte zur Gründung einer grünen Partei statt. Heute blicken wir auf ein Japan, dass seit dem 06. Mai ohne Atomstrom auskommt. Ich denke, dass ist ein Riesenerfolg und wäre für viele Menschen vor einem Jahr noch undenkbar gewesen.

Fukushima 24/7: Im zweiten Protestzug wurden vier Protestler „ohne Rechtsgrundlage“ verhaftet, wie aus dem Film hervorgeht. Konntest du genauere Informationen bekommen, mit welchem Vorwand die Leute abgeführt wurden und was mit ihnen geschehen ist?

Julia Leser: Zwei wurden am selben Tag wieder frei gelassen, die anderen beiden wurden 18 und 21 Tage festgehalten, ohne Rechtsgrundlage. Das ist ein großes Problem, mit dem die Aktivisten und Demonstranten zu kämpfen haben. Die Repression der Polizei hat auch weiterhin zugenommen: Im September kam es zu 12 Festnahmen, darunter größtenteils Organisatoren, die wegen Schikanen festgenommen wurden.

Fukushima 24/7: Mit Kamera und Mikro dem Protestzug stets auf den Fersen, habt ihr wahrscheinlich ein ungewohntes Bild abgeben. Wie fiel die Reaktion auf Seiten der Protestierenden und speziell der Polizisten aus?

Julia Leser: So sehr sind wir mit unserer vergleichsweise kleinen Kamera gar nicht aufgefallen. Aber viele waren schon neugierig, und nach zwei, drei Demos, die wir mit der Kamera begleiteten, kannte man sich dann auch. Mit der Polizei hatten wir keine Probleme, natürlich wurden wir ab und zu ermahnt, nicht zu filmen. Dann taten wir, als verstünden wir kein Japanisch, und das funktionierte dann auch meistens.

Im Rahmen der Internationalen Studentischen Woche 2012 in Leipzig wird „Radioactivists“ am Mittwoch dem 23. Mai im Vortragssaal der Hauptbibliothek (Bibliotheca Albertina) in der Beethovenstraße 6 präsentiert. Zuvor behandeln um 17 Uhr Dr. Sebastian Pflugbeil als Physiker und Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz e.V. und Professor Steffi Richter als Lehrstuhlinhaberin der Japanologie Leipzig das Thema „Tschernobyl, Fukushima und Atomkraft in Deutschland“. Nach zweistündiger Diskussion startet der Dokumentarfilm um 19.00 Uhr. „Fukushima 24/7“ ist selbstverständlich auch anwesend, um über die Diskussion im Anschluss zu berichten.

Weiterer Lesestoff:

Ohne Verantwortung – Drei Videos über die politische Lage Japans

Nach der ZDF-Reportage greifen wir mit dem heutigen Artikel drei Videos auf, die uns mehr Einsicht in die politische Situation Japans geben. Sie zeigen, mit welcher Nachlässigkeit die Regierung agiert und verdeutlicht noch einmal das japanische Phänomen, wonach Einzelentscheidungen ein Fremdwort sind. Anstatt Verantwortung als Einzelperson zu übernehmen, wird im Kollektiv geschwiegen. An die Stelle einer engagierten Führungsweise von Politikern und Beamten treten Bürger und Wissenschaftler und warnen selbstständig vor den Risiken, Folgen und Problemen der Atomkatastrophe. Schnell lässt sich erkennen, dass nicht nur die Atomkatastrophe der Gesellschaft Probleme bereiten.

Am 19. Juli 2011 versammelten sich Bewohner der Präfektur Fukushima, um mit offiziellen Vertretern der japanischen Regierung in Kontakt zu treten. Aufgrund ihrer unsicheren Lage und der Gefahr vor Radioaktivität befragten sie die Beamten, ob die Einwohner von Fukushima das Recht genießen, vor radioaktiver Strahlung geschützt zu werden. Eine bejahende Antwort hätte genügt, um das Rückgrat des Beamtenapparats zu stärken und das Vertrauen der Öffentlichkeit zu gewinnen. Stattdessen kommt die Antwort, man wisse nicht, ob das Recht auf Gesundheit jedem Anwohner Fukushimas zusteht. Entrüstung, und eine Antwort, wie man sie nicht erwartet hätte. Die Regierung verlässt sich auf ihren Kommentar, man sei darum bemüht, die radioaktive Belastung zu reduzieren. Die Beantwortung der Frage steht damit aus, ob die Bewohner Fukushimas Unterstützung bei ihrer Flucht vor der Kontamination erfahren.

Kurze Zeit später erhebt sich ein einzelner Japaner mit einer Bitte: „Es gibt Leute in Fukushima, die evakuiert werden wollen. Bitte unterstützt sie bei der Evakuierung.“ Schweigen, gefolgt von dem Kommentar, man unterstütze keine Leute, die bereits in Sicherheit leben. Ein Schlag ins Gesicht für die Anwohner Fukushimas. Behutsam schiebt Akira Satoh als Sprecher der lokalen Atom-Notfallzentrale das Mikro von sich. Seine Antworten wirken schwach und leise, als fiele es ihm mit jedem Wort schwerer, seine Wörter zu formen. Was geht in einem Menschen vor, der zu solchen Aussagen in aller Öffentlichkeit fähig ist? Ist es seine Meinung als Bürger Japans oder die Meinung in dem fest verwebten System des Eisernen Dreiecks? Die Besprechung findet ihr abruptes Ende mit der Forderung, Urinproben auf ihre Radioaktivität zu testen. Drängend und bittend reden die Anwohner auf die Beamten ein, als diese in schnellem Tempo den Raum verlassen. Ihre Worte sind uns vertraut: „Wir sind nicht verantwortlich.“ Ein Mann versperrt den Fahrstuhl, baut sich vor den Beamten auf, die ihn kommentarlos ignorieren. Mitleid und Anteilnahme fehlt es in diesem Augenblick. Ein anderer Fahrstuhl öffnet sich. Der Beamtenapparat ordnet sich. Zwischen ihnen ein Teil der japanischen Öffentlichkeit, fassungslos, verzweifelt. Die Türen schließen sich.

„So fühlen die Leute in Fukushima“, erklärte Akira Matsu (Kômeitô) während einer Sitzung des Oberhauses am 29. September 2011. Sie berichtete von einer Anwältin, die während eines Symposiums über die Katastrophe von Fukushima über ihre Familie erzählte. Ihre vier Kinder und sie selbst wurden positiv auf Cäsium getestet. Aus Sorge wandte sie sich an die örtlichen Behörden, die sie mit der Antwort abspeisten, sie sei keinen gesundheitsgefährdenden Risiken ausgesetzt. Zufrieden hatte sie es nicht gestellt, sodass sie ihren Kindern den Rat gab, keine Milch in der Schulkantine zu trinken. Die Lehrer der Kinder teilten andere Sorgen. „Diejenigen, die keine Milch trinken, sind keine Leute aus Fukushima und auch nicht dazu berechtigt, hier zu leben!“, gaben sie ihren Schülern zu verstehen, nachdem sie sie vor die Klasse mit einem Eimer Milch vortreten ließen. „Sie werden wie Verräter im Krieg behandelt“, entrüstete sich Akira Matsu. Ihre Entrüstung kommt zu einem Tiefpunkt, als sie zu Wirtschaftsminister Yukio Edano und Chefkabinettssekretär Osamu Fujimaru blickt. Ihr Gelächter spricht Bände über die politische Situation Japans.

Während einer Tagung des Gesundheitsministeriums informiert Doktor Katsuhiko Kodama als Vorsitzender des radioisotopischen Zentrums der Universität Tokio die Beamten über die Risiken und Folgen der Atomkatastrophe von Fukushima Daiichi. Zu Beginn erläutert er die gemessenen Strahlungen im Raum Tokio und seine Besorgnis über mögliche Hot Spots und die Ungewissheit vor höheren Messwerten. Zu seiner Sorge mischt sich Ärger, da sowohl TEPCO als auch die japanische Regierung keine Unternehmungen anstellt, der Öffentlichkeit korrekte Messwerte mitzuteilen, mit denen Herr Kodama arbeiten könnte. Seine Sorge wandelt sich in Aggression. Halb schreiend, halb klagend kritisiert er die Informationspolitik von Politik und Wirtschaft. Nach eigenen Untersuchungen und Messungen konnte sein Team eine Gesamt-Kontamination feststellen, die etwa dem 30-fachen Wert der Kontamination von Hiroshima gen Ende des Zweiten Weltkrieges entspricht. Die Kontamination erreicht dabei einen Wert, der die Katastrophe von Fukushima laut Kodama bedenkenlos mit Tschernobyl vergleichen lässt.

Besorgniserregend sind auch die Werte der Radioaktivität des Niederschlags nach der Katastrophe. So wurde in der Präfektur Iwate ein Wert von 57.000 Becquerel pro Kilogramm gemessen. Ein Vergleich boten wir bereits zwei Wochen zuvor. Katsuhiko Kodama verweist auf die Gefahr, die von den radioaktiven Partikeln ausgeht, da sie durch Wind und Niederschläge große Flächen des Landes kontaminieren können. Mit seiner Position sieht er sich verantwortlich für die Aufklärung der Bevölkerung Japans und fordert die Regierung auf, die Bewohner Fukushimas zu informieren. Er stellt die Frage, welche Vorstellung die Regierung hat, für eine umfassende Dekontamination ohne die nötigen finanziellen Mittel zu sorgen. Eine Antwort ist man der Gesellschaft noch immer schuldig. Einzig ein müdes Lächeln tut sich hinter Katsuhiko zum Ende seiner Rede auf. Vielleicht ist es das Einzige, zu was Bürokratie und Politik angesichts dieser prekären Lage imstande sind.

Das Atomdorf – Die ZDF-Reportage zur Atompolitik Japans

Als Regierungschef betitelt möchte man meinen, der Premierminister sei die höchste Gewalt des japanischen Staats. Ihm obliegen die meisten Kompetenzen, er trägt die größte Verantwortung. Zu verantworten hat er sich zu jeder Krise, die sein Land heimsucht. Seine Kompetenzen werden allerdings von einem System verschluckt, dass die Verkettung von Bürokratie, Politik und Wirtschaft vorsieht. Nicht der Premierminister regiert als oberste Instanz, sondern Beamte, die im Hintergrund politischer Entscheidungen agieren. Es ist ein System, dass auf eine jahrzehntelange Tradition zurückblickt. Von 1955 bis 2009 dominierte die Liberaldemokratische Partei Japans (LDP) fast ausschließlich die Politik des Inselstaats, setzte grobe politische Richtlinien und überließ dem fest verankerten Beamtenapparat alle weiteren Angelegenheiten. Seit 2009 löst die Demokratische Partei Japans (DPJ) ihren konservativen und mit wirtschaftlichen Interessen verquickten Vorgänger ab und wagte einen „neuen Stil politischer Führung“.

Der ehemalige japanische Premierminister Naoto Kan im Jahr 2011. (Copyright © World Economic Forum, Lizenz: CC BY-SA 2.0)

Sehr zum Leidwesen der gut einstudierten Kooperation von Politik und Bürokratie. Naoto Kan als Mitbegründer der DPJ wurde zum Feindbild des Beamtentums. Erstmals regte sich der politische Apparat durch die Hände einer einzigen Partei, ohne mehrheitlich von bürokratischen Interessen durchdrungen zu werden. Die DPJ machte den Beamten wissentlich das Leben schwer. Selbst das als „Amakudari“ (vom Himmel herabsteigen) bekannte System wurde ihnen fortan streitig gemacht. Denn die Sitte war, hochrangige Beamte nach ihrer Pensionierung und einer Ruhepause von zwei Jahren in wirtschaftlich starke Unternehmen einzuschleusen, um die Verbindung zwischen Wirtschaft und Bürokratie aufrechtzuerhalten. Der DPJ war dieser „Gang vom Himmel“ ein Dorn im Auge. Wie sollte auch der „neue Stil politischer Führung“ aufgegriffen werden, wenn die alten Praktiken beibehalten werden? Die Antwort der Bürokraten auf den politischen Umschwung war ein klarer Konter. Sie nutzten ihre Stellung, um Premierminister und Kabinett auf Amtswegen zu blockieren, schlachteten jeden Skandal in voller Breite aus um der neuen Partei die Leviten zu lesen.

Die Katastrophe von Fukushima war ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt, den Prozess gegenseitiger Behinderung fortzusetzen. Doch sie zeigte der Öffentlichkeit außerhalb Japans, mit welchem System der Staat zu kämpfen hat. Das Eiserne Dreieck hatte sich selbst gelähmt. Auf der einen Seite Naoto Kan, der mit aller Härte dem Energiekonzern TEPCO die Stirn bietet, sich aufrafft, um zu retten, wozu der Konzern schon lange nicht mehr in der Lage war. Und dazwischen die sprachlosen Bürokraten, die nur widerwillig mit Kan kooperierten. Es war der Anfang vom Ende der Regierungszeit Naoto Kans, denn die Methoden des Premierministers ließ nicht nur die Bürokratie aufstoßen. Er behauptete sich im Alleingang gegen das eiserne System und setzte seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel, denn Medien und Parteifeinde saßen ihm im Nacken. Als Individualist verpönt, spottete man über ihn. Er, der es sich wagte, als Einzelgänger TEPCO das Steuer aus der Hand zu reißen.

„Was ist hier eigentlich los!?“ Ein Zitat aus seinem Munde, als er den überforderten Managern TEPCOs gegenüberstand. Für Naoto Kan stand das Schicksal seines Landes auf dem Spiel, denn nur zu gut kannte er das Trauerspiel der Bürokraten. Verantwortung kann und möchte niemand übernehmen. Noch vor seinem Rücktritt am zweiten September 2011 leitete er die Grundlagen für ein atomfreies Japan ein. Heute bekennt er sich als Umweltaktivist, der um das Wohl seines Landes besorgt ist. Schon vor seiner Amtszeit war Kan als Bürgerrechtler bekannt, der der Gesellschaft den Rücken zu stärken versuchte. Noch während der Katastrophe hinterließ er erste Schrammen am Eisernen Dreieck, indem er drei hochrangige Bürokraten aus NISA, Wirtschaftsministerium und der Behörde für Naturressourcen und Energie entließ. Für sie war die Atomkrise ein Übel, dessen Auswirkungen und Ursachen es hinter einem dichten Vorhang aus Intransparenz und Euphemismus zu verschleiern galt. Laut japanischen Medien saß das Misstrauen Kans gegenüber den Ministerien und Aufsichtsräten tief. Vielmehr setzte er auf eigene Informanten und persönliche Berater, während er den Krisenstab mit harter Hand führte.

Der japanische Wirtschaftsminister Yukio Edano (DPJ), aufgenommen im September 2010. (Copyright © DAJF, Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Nach mehr als einem Jahr der Krisenbewältigung ist der Ausnahmezustand vorüber, doch die Verflechtung von Bürokratie, Politik und Wirtschaft trägt weiter seine Früchte. Zwar bleibt die DPJ mit Yoshihiko Noda als Premierminister an der Spitze, doch die kritischen Verhältnisse bleiben dieselben. Ab dem fünften Mai bezieht Japan nach 42 Jahren seinen Strom ohne den Einsatz der riskanten Atomtechnologie. Die Konzerne befürchten dadurch einen Engpass an Energiereserven von etwa 20 Prozent. Laut offiziellen Angaben müsste die Hälfte aller AKWs wieder in Betrieb genommen werden, um diese Lücke zu schließen. Doch das Spiel mit Zahlen ist in Japan nicht unüblich, um den eigenen Interessen Nachdruck zu verleihen. Derselben Meinung ist auch der Politiker Yukio Edano als Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie. Bevor er grünes Licht für die Atomkonzerne und Energieriesen gibt, möchte er eigene Berechnungen anstellen. Vertrauen ist in Japan ein Fremdwort vergangener Zeiten.

Diesen Artikel als Vorspann nutzend, möchten wir auf die 30-minütige ZDF-Reportage vom 07. März 2012 verweisen. Mit dem Titel „Die Fukushima-Lüge“ versuchte der Journalist Johannes Hano, das undurchsichtige Geflecht der japanischen Atompolitik zu durchdringen. Dabei enthüllte er mittels seiner Kontaktpersonen Informationen, die für den Betrachter unfassbar erscheinen mögen. Im Mittelpunkt steht die Vereinigung von Bürokratie, Aufsichtsräten, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, wie sie innerhalb dieses Blogs öfters thematisiert wurde. Johannes Hano interviewte während seiner Recherche Naoto Kan und diverse Fachleute, die ihm Zugang zu brisanten Informationen ermöglichten. Gen Ende nahm er sich TEPCO zur Brust, um den Konzern mit seinen gesammelten Informationen offen zu konfrontieren. Übrig blieben Ratlosigkeit und Schweigen.

Die Reportage ist unter folgendem Link verfügbar: Die Fukushima-Lüge.

Quellen und weiterer Lesestoff: